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Full text of "Die Eweer; Schilderung von Land und Leuten in Deutsch- Togo"

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Die  Eweer 

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Die  Eweer 


Schilderung  von  Land  und  Leuten  in  Deutsch-Togo 


von 


Jakob  Spieth, 

ilissionar  der  Norddeutschen  Missionsgesellscliaft. 


Sonderabdruck 

aus 

Die   Ewe-Stäinme 

Material  zur  Kunde  des  Ewe-Volkes  in   Süd-Togo. 
Verlag  von  Dietrich    Reimer  (Ernst  Vohsen)  Berlin. 


Mit  66  Bildern  nnd  5  Karten. 


Bremen  1906. 

In  Kommission  bei  der  Norddeutsehen  Missions-Gesellschatt. 


Alle  Rechte  vorbehalten. 


Druck  von  J.  J.  Au2;  ustin  in  Glückstadt. 


Yo  r  w  o  r  t. 


In  dem  großen  Werke  unseres  Missionars  Jakob  Spieth  „Die 
Ewe-Stämme,  Material  zur  Kunde  des  Ewe-Volkes  in 
Deutsch-Togo",  bilden  die  nachfolgenden  Schilderungen  über  Land 
und  Leute  der  Eweer  die  ersten  drei  Abschnitte  der  Einleitung,  deren 
Sonderabdruck  die  Verlagsfirma  Dietrich  Reimer  (Konsul  Ernst  Vohsen) 
in  Berlin  in  entgegenkommender  Weise  gestattet  hat.  Der  vierte  kurze 
Abschnitt  ist  von  dem  Unterzeichneten  hinzugefügt. 

Da  eine  möglichst  genaue  Kenntnis  des  Bodens,  auf  den  der  Same 
des  göttlichen  Wortes  ausgestreut  werden  soll,  eine  der  Grundvoraus- 
setzungen aller  missionarischer  Arbeit  ist,  hat  Missionar  Spieth  während 
seines  mehr  als  zwanzigjährigen  Aufenthaltes  im  Ewelande  sich  eifrig  be- 
müht, die  Eigenart  und  die  Verhältnisse  des  Ewe-Volkes  in  Vergangen- 
heit und  Gegenwart  möglichst  genau  zu  erforschen.  So  sammelte  er  ein 
zumeist  in  der  Landessprache  niedergeschriebenes,  umfangreiches  Material 
über  die  Geschichte  und  Rechtsordnungen,  die  sozialen  und  wirtschaft- 
lichen Verhältnisse,  vor  allen  Dingen  aber  über  das  Geistesleben  der  Ewe- 
stämme.  Die  Norddeutsche  Missions-Gesellschaft  in  Bremen  konnte  dank 
der  Unterstützung  der  Kolonial-Abteilung  des  Auswärtigen  Amtes  sowie 
der  Herren  Konsul  Vohsen  und  Professor  Meinhof  in  Berlin  ihren  Missionar 
Spieth  veranlassen,  einen  Teil  dieser  von  ersten  Autoritäten  als  hochbe- 
deutsam gekennzeichneten  Sammlungen  in  der  deutschen  und  Ewesprache 
zu  veröffentlichen. 

Hiermit  dürfte  nicht  nur  der  Mission  und  dem  Ewevolke,  das  auf 
diese  Weise  einen  großen  Teil  seines  geistigen  Besitzes  durch  die  Mission 
gedruckt  in  die  Hand  bekommt,  sondern  auch  der  heimischen  Wissen- 
schaft und  der  Kolonisation  Togos  ein  bedeutsamer  Dienst  geleistet  sein. 
Auch  ist  vielleicht  zum  ersten  Male  die  vollständige  Monographie  eines 
westafrikanischen  Volkes  in  die  Wege  geleitet.  Es  wäre  daher  sehr  zu 
wünschen,  daß  die  IX.  Resolution  des  Deutschen  Kolonial-Kongresses  1905 


IV  Vorwort. 

nicht  umsonst  gefaßt  sei,  derzufolge  die  Bereitstellung  von  weiteren  Mitteln 
zur  Drucklegung  der  Spieth'schen  Sammlungen  und  des  dazu  gehörigen 
Wörterbuches  von  Westermann   befiirwoi'tet  wurde. 

Die  nachfolgenden,  kurz  zusammenfassenden  Mitteilungen  werden 
hoffentlich  manchen  Leser,  namentlich  diejenigen,  die  als  Beamte  und 
Techniker,  als  Kaufleute  und  Pflanzer,  als  Forseher  und  Missionare  nach 
Togo  gehen  oder  die  daheim  aus  A^^ssenschaftlichem  und  kolonialem  Inter- 
esse unsere  Eweer  gi*ündlich  kennen  lernen  wollen,  veranlassen,  das 
Quellenwerk  selbst  zu  studieren.  Den  Eindruck  aber  werden  alle  gewinnen, 
daß  die  Eweer  ein  Volk  sind,  dessen  geistige  und  religiöse  Eigenart  eine 
gute  Bürgschaft  bildet  für  eine  erfolgreiche  Arbeit  der  Mission,  des  Handels 
und  der  Kolonisation.  Mögen  diese  Kidturfaktoren  sich  ihrer  gemeinsamen 
Aufgaben  immer  mehr  bewußt  werden  und  allseitig  die  Unterstützuu«-  finden, 
die  sie  verdienen  zur  Hebung  des  Ewevolkes  und  damit  zur  Förderung 
unserer  Togokolonie ! 

Bremen,  Ende  September  1906. 

A.  W.  Schreiber,  Missions-Iuspektor. 


Inhalt. 
Die  Eweer. 

Seite 

Erstes  Kapitel:  Das  Land  der  Eweer 1 

I.  Lage,   Grenzen  und  politische  Zugehörigkeit 1 

IL  Geographische  Verhältnisse 4 

1.  Gliederung  des  Landes 4 

2.  Die  Gewässer 11 

3.  Das  Klima 12 

III.  Pflanzen  und  Tierwelt .  15 

1.  Die  Pflanzenwelt 16 

2.  Die  Tierwelt 21 

Zweites  Kapitel:  Die  Laudschaften  und  Siedlungsverliältnisse  der 

Eweer 25 

I.  Landschaften 25 

1.  Küstenlandschaften 25 

2.  Landschaften  in  der  Ebene 30 

3.  Die  Berglandschaften 40 

IL   Siedlungsverhältnisse 42 

Drittes  Kapitel:  Das  Yolk  der  Eweer 47 

I.  Die  geschichtliche  Vergangenheit 47 

IL  Die  Kultur 48 

A.  Die  materielle  Kultur 48 

1.  Der  Ackerbau 48 

2.  Die  Viehzucht 50 

3.  Das  Handwerk 50 

B.  Die  geistige  Kultur 51 

1.  Die  Sprache 51 

2.  Die  Kunst 54 

III.  Die  Famihe 56 

1.  Die  Ehe 56 

2.  Die  Stellung  der  Frau 59 

3.  Die  Kinder 62 


Sil  Inhalt. 

Seite 

IV.  Die  Religion 62 

A.  Die  religiösen  Vorstellungen 62 

1.  Die  Götter 62 

a.  Die  Himmelsgötter 63 

b.  Die  Erdengötter 6S 

c.  Die  persönlichen  Schutzgötter 65 

2.  Die  Zauberei ()(> 

a.  Die  Zauberei  im  Privatleben 67 

b.  Die  Zauberei  im  Rechtsleben 68 

3.  Der  Mensch 69 

a.  Abstammung 69 

b.  Beschaffenheit 70 

c.  Das  Lebensziel 70 

B.  Kultus 70 

1.  Verehrung  der  Himmelsgötter 70 

a.  Verehrung  des  „großen  Gottes" 70 

b.  Verehrung  der  Götter  Sodza  und  Soghle    .      .  72 

2.  Verehrung  der  Erdengötter 72 

3.  Verehrung  der  persönlichen  Schutzgöttcr  ....  74 

4.  Ahnenkult 74 

Viertes  Kapitel:  Die  Erscliließuiig  des  Landes 75 

I.  Die  Norddeutsche  Missions-Gesellschaft 75 

IL  Der  Handel 79 

III.  Die  römisch-katholische  Mission 81 

IV.  Die  deutsche  Kolonisation 83 


Die  Eweer 

Schilderung  von  Land  und  Leuten 
in  Deutsch-Togo. 


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Die  Eweer. 


Erstes  Kapitel. 


Das  Land  der  Eweer. 

I.  La§e,  Grrenzen  und  politische  Zugehörigkeit. 

Vor  drei  bis  vier  Jahrhunderten  machte  sich  au  der  Sklavenküste 
Westafrikas  die  Volke rfamilie  der  Eihe&v  ansässig  und  ließ  sich, 
von  XO.  herkommend,  zwischen  Mono  und  Volta  nieder.  Im  Süden  wird  ihr 
Gebiet  von  dem  atlantischen  Ozean  bespült  und  erstreckt  sich  an  seiner 
Westgrenze  etwa  bis  zum  7.,  an  seiner  Ostgrenze  dagegen  bis  zum  8.  Grad 
nördlicher  Breite. 

Die  östlichen  Nachbarn  der  Eweer  sind  die  ihnen  stammverwandten 
Einwohner  von  D  ahome,  von  welchen  sie  nur  durch  den  MonoüuQ  getrennt 
sind.  Im  Westen  ist  der  Volta  die  natürliche  Grenze  zwischen  ihnen  und 
den  Adanmeevn^  Geern  und  2\iern.  Die  Nordgrenze  ihrer  Wohnsitze  wird 
durch  die  Nordgrenze  der  Landschaften  Kpa7ido,  Alavanyo,  Gbidzighe, 
Fodome,  Däi/i  und  Kpele  gebildet.  In  KpeU  macht  die  Grenze  unter  Aus- 
schluß der  Landschaft  Akposo  eine  scharfe  Wendung  nach  Norden,  bis  sie 
in  Kpetsi  (Pessi)  und  Anyana  die  nördlichsten  Glieder  des  EwsYoXke?, 
erreicht. 

Die  beiden  Kolonialmächte  England  und  Deutschland  haben 
sich  so  in  den  Besitz  des  £'irelandes  geteilt,  daß  England  eine  kleine  Ecke 
im  Südwesten  auf  dem  linken  Voltaufer,  Deutschland  dagegen  das  ganze 
übrige  Gebiet  bis  zum  Mono,  dem  Grenzfluß  nach  dem  französischen 
Dahome  hin,  besitzt. 

Ihren  Namen  Togo  hat  die  deutsche  Kolonie  nach  einem  gleich- 
namigen Stamm  an  der  Lagune  hinter  Porto  Seguro  erhalten ,  der  im 
Jahre  1884  zuerst  die  deutsche  Flagge  annahm.  Die  Küste  der  Kolonie 
ist  nur   50  km   lang.      Die    Ostgrenze   Togos    bildet    bis    zum  9.  Breitegrad 


2  Erstes  Kapitel. 

eine  ziemlich  gerade  Linie,  die  Westgrenze  dagegen  verläuft  in  ver- 
schiedenen Zickzacklinien  hinter  dem  englischen  Gebiet  nach  Nordwesten, 
bis  sie  sich  an  der  Mündung  des  Däyi  unter  6°  40'  so  mit  dem  Volta 
vereinigt,  daß  der  Flußlauf  selbst  der  englischen  Goldküste  angehört.  Auf 
einem  Flächenraum  von  87  200  qkm  sollen  1500000,  demnach  auf 
1  qkm  rund  17  Menschen  wohnen.  Vergleicht  man  die  Bevölkerungs- 
ziffer   der    andern    deutschen  Kolonien  Afrikas  damit,    so  zeigt  sich,   daß 


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Die  Gold-  und  SklaTenküste  mit  den  deutschen,  englischen 
und  französichen  Kolonien. 

Togo    unter    allen    die    weitaus    bevölkertste    Kolonie    ist.      Die    folgende 
Zusammenstellung  mag  das  klar  machen : 


Land : 

qkm:                      Einwohner: 

Auf  1  qkm : 

1. 

2. 
3. 
4. 

Togo: 
Kamerun: 
Südwest- Afrika: 
Ost- Afrika: 

87  200                                     1500  000 
495  600  (=  Deutsch.  Reich)     3  500  000 
835  100  (=  1  'A  D.  R.)               200  000 
995  000  (=  2  D.  R.)                7  000  000 

17 

7 
4 

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4  Erstes  Kapitel. 

Wird  zugegeben,  daß  die  Bevölkerung  einer  Kolonie  ihr  größter  Reichtum 
ist,  so  ist  Togo  nicht  nur  die  fruchtbarste,  sondern  auch  die  reichste  aller 
deutschen  Kolonien  Afrikas.  Es  darf  uns  daher  nichts  gereuen,  was  wir 
an  Arbeit  und  Kapital  für  Togo  einsetzen. 

II.  (jeoffrapliisclie  Verhältnisse. 

1.   Gliederung  des  Landes. 

Das  Eiceland  als  Ganzes  betrachtet,  stellt  ein  großes,  stumpf- 
winkliges Dreieck  dar,  dessen  Grundhnie  im  Süden  die  Küste  ist.  Dieselbe 
reicht  nach  Westen  hinüber  in  das  englische   Gebiet.    Der  stumpfe  Winkel 


Kästenlandschaft  mit  Palmenhain. 

wird  im  Osten  durch  Jiowomündung  und  Küstenlinie  gebildet.  Die  dem 
Winkel  gegenüber  liegende  Seite  aber  ist  die  von  Südwesten  nach  Nord- 
osten verlaufende  Bergkette  im  Inland.  Diese  Fläche  wird  von  den  Ein- 
gebornen  in  Küste  (ihuta),  Ebene  (weme)  und  Bergland  (tome)  geteilt. 
Die  Küste  besteht  aus  einer  10 — 30  Minuten  breiten,  unfruchtbaren 
Sandbank,  die  sich  von  der  Mündung  des  Volta  bis  zur  Mündung  des 
Mono  und  weit  über  dieselbe  hinaus  nach  Osten  erstreckt.  Auf  der  ganzen 
Länge  dieses  Sandgürtels  stehen  viele  Dörfer.  Diese  sind  von  dichten 
Kokoshainen  umgeben,  die  den  Dörfern  Schatten  und  der  Küste  ein 
schönes  Aussehen  verleilien.  Auf  dieser  Sandbank  liegen  auch  die  Handels- 
städte Aneho,  Lome  und  Keta. 


Das  Land  der  Eweev.  g 

Landeinwärts  und  unmittelhar  hinter  diesem  Sandstreifen  senkt  sich 
das  Land  zu  einer  talförmigen  Mulde,  die,  durchschnitdich  100 — 150  m 
breit,  sich  an  drei  Stellen  beckenartig  erweitert  und  die  Lagunen  von 
Keta,  Togo  und  AneJio  bildet. 


Die  Ebene  beginnt  mit  den  an  diese  Mulde  angrenzenden  Land- 
schaften, welche  von  den  Eingebornen  ihego,  „Ebenegebiet",  genannt  werden. 
Man  unterscheidet  sie  damit  von  ibugo^  der  eigenthchen  Küste  oder  dem 
„Seegebiet".     Im  Osten    erstreckt   sich    die  Ebelio    etwa    -240  km    landein- 


6 


Erstes  Kapitel. 


wärts,  im  Westen  dagegen,  wo  das  Gebirge  sich  der  Küste  nähert,  ist  sie 
nur  40  —  45  km  breit,  bis  sie  sich  auf  dem  rechten  Vohaufer  im  englischen 
Gebiet  allmählich  zuspitzt.  Von  Osten  nach  Westen  hat  sie  eine  Breite 
von  190  —  200  km  und  umfaßt  das  ganze  Gebiet  zwischen  Volta-  und 
Monoüuß.  Von  den  nördlichen  Lagunenufern  aus,  die  17 — 25  m  über  dem 
Meere  liegen,  erhebt  sich  das  Land  in  sanft  ansteigenden  Wellenlinien  bis 
zu  170  m  in  Ho,  250  m  in  Kpalime  und  220  m  in  Kjjetsi  (Pessi).  In  dieser 
Ebene  wechseln  große  Grasflächen  mit  niederem,  aber  dichtem  Gesträuch, 
über  das  sich  einzelne  knorrige  Bäume,  Affenbrotbäume  und  Fächerpalmen 
erheben.  In  ihren  östlichen  Gebieten  finden  sich  schöne  ölpalmenwälder, 
in    denen    die    Eineebornen   ihre  Yams-    und    Maisäcker,    sowie   Bananen- 


SaTanneiigebiet. 


Pflanzungen  anlegen.  Je  weiter  man  landeinwärts  kommt,  um  so  belebter 
wird  die  Natur  besonders  in  der  Nähe  der  Flüsse,  deren  Ufer  gewöhnlich 
mit  dichtem  Laubholz  bewachsen  sind.  Dort  wechselt  die  öde  Savanne 
mit  scharf  abgeschnittenen  Hainen,  sogenannten  Galeriewäldern.  Der  südliche 
Teil  der  Ebene  ist  sehr  wasserarm,  weshalb  ihre  Bewohner  in  regenarmen 
Zeiten  oft  stundenweit  an  Flüsse  oder  sumpfige  Orte  gehen,  um  Wasser 
zu  holen,  das  gewöhnlich  schmutzig  zu  sein  pflegt.  In  ihren  Gehöften 
haben  sie  deswegen  beckenartige  Vertiefungen  angebracht,  die  sich  in  der 
Regenzeit  mit  Wasser  füllen.  Dieses  wird  dann  in  große  Tontöpfe  geschöpft, 
mit  Asche  bestreut  und  sorgfältig  mit  weichem  Ton  gegen  die  Luft  ab- 
geschlossen. 


Das  Land  der  Eweer. 


Die  Berge  (tome) ,  welche  der  Volta  im  Südwesten  bei  Akwamxi 
durchbricht,  teilen  sich  dort  in  zwei  Bergzüge,  die  parallel  miteinander  nach 
Nordosten  verlaufen  und  bis  hinauf  nach  Avatime  Kammgebirge  sind,  die 
keinen  oder  nur  wenig  Raum  zu  Wohnstätten  bieten.  In  der  Nähe  von 
Avatime  vereinigen  sie  sich  und  bilden  den  Gebirgsstock  von  Kpqeta-Agome, 


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der  sich  in  nordöstlicher  Richtung  bis  ATc^ooso  erstreckt.  Dieser  Gebirgszug 
gleicht  einem  mächtigen  Wall,  der  das  ganze  Eihelsindi  von  Südwesten  nach 
Nordosten  quer  durchschneidet  und  in  eine  südliche  und  nördliche  Ebene 
teilt.  Je  weiter  nach  Norden,  um  so  höher  und  breiter  wird  das  Gebirge. 
Einen    gemeinsamen    Namen    hat    es    nicht.     Diejenigen    Gebirgsteile    und 


8 


Erstes  Kapitel. 


einzelnen  Bergspitzen,  die  einheimische  Namen  haben,  wurden  nicht  aus 
geographischem,  sondern  aus  religiösem  Interesse  benannt.  Dazu  gehören 
z.  B.  der  200  m  hohe  Eweherg  im  Südwesten  bei  AivuJome,  der  800  m  hohe 
Gemi  in  Avatime  und  wahrscheinlich  auch  der  990  m  hohe  Bacjlu  in  Dä>ii  u.  a. 
Der  Bergzug  mit  seinen  bewaldeten  Hängen,  lieblichen  Tälern,  Quellen 
und  Bächen  ist  die  Wasserscheide  für  die  nach  Süden  und  nach  Norden 
ablaufenden  Gewässer,  von  denen  einzelne  auf  dem  Nord-  und  Südabhang 
über  100 — 140  m  hohe  Felspartieen  brausend  und  schäumend  in  die  Ebene 
hinunterstürzen . 

Die  Bedeutung  dieses  Bergzuges  für  das  Volksleben 
zeigte  sich  früher  auf  dem  Gebiete  des  Handels,  der  Geschichte  und  der 
Religion.    Über  das  Gebirge  führten  nur  wenige  Pässe,  schmale  Saumpfade, 


Der  Adakluberg-  von  Süden  (zu  S.  10). 


auf  denen  der  Fußgänger  sehr  ermüdete.  Infolgedessen  hatten  die  nördlich 
von  dem  Gebirge  wohnenden  Stämme  mehr  Handelsverkehr  mit  der 
Goldküste,  die  sie  auf  ebenem  Wege  erreichen  konnten.  Die  aus  dem 
Innern  kommenden  Handelskarawanen  trieben  ihre  Viehherden  leichter 
nach  Akra  hinüber  als  an  die  Küste  des  ii'irglandes.  Das  hat  sich  alles 
geändert,  seitdem  die  deutsche  Regierung  den  Wegebau  kräftig  in  die 
Hand  genommen  und  die  Pässe  zu  gangbaren  Bergstraßen  umgewandelt 
hat.  Die  historische  Bedeutung  des  Bergzuges  tritt  besonders  in 
verschiedenen,  teilweise  noch  gut  erhaltenen  Ruinen  zutage,  die  auf  dem 
spitzen  Kammgebirge  bei  Tsito,  an  den  Abhängen  des  Gemi  und  in  dem 
Hochwald  von  Avatime  sich  finden.  Noch  im  Jahre  1869  suchte  ein  großer 
Teil    der    von  den  Asanteevn    verfolgten  ^ttrstämme    in  dem  geschlossenen 


Das  Land  der  Eweer. 


Bergtal  von  Ghadzeme  in  Avatime  eine  Zuflucht.  Hätte  ihnen  nicht  ein 
mit  dem  Tode  bedrohter  Mann  aus  Kpedze  den  Weg  verraten,  so  würden 
sie  dort  sicher  gewesen  sein.    Als  die  Asonteev  damals  den  Versuch  machten, 


die  Abhänge^  des  unbewaldeten  GemiheYge^  zu  besteigen,  Avurden  sie>on 
den  oben  Wache  haltenden  Eiheern  so  mit  Felsstücken  beworfen,  daß  sie 
mit  starken  Verlusten  den  Rückweg    antreten  mußten.      Der  Einfluß  der 

2 


10 


Erstes  Kapitel. 


Berge  auf  die  Religion  zeigt  sieh  darin,  daß  verschiedene  Berggruppen. 
Felsabhänge  und  Höhlen  als  Wohnsitze  der  Erdengötter  gedacht  sind.  In 
dem  Sasanuherg  z.  B.  erblicken  die  Matseer  den  Kopf  der  Erdschlange, 
weshalb  sein  Gras  nur  vom  Priester  angezündet  werden  darf. 

Südlich  von  diesem  Bergzuge  erheben  sich  an  dem  nördlichen  Rande 
der  Ebene  zwei  mächtige  Bergkegel,  welche  von  der  Sprache  als 
honoii'o ,  .,kinderlose  Berge"  bezeichnet  werden.  Der  Ädaklu,  in  der 
Nähe  der  Westgrenze  Togos,  hat  eine  Höhe  von  550  m,  ist  aber  im  ganzen 
holz-  und  wasserarm.  Auf  seiner  Spitze  soll  sich  zwar  eine  Quelle  befinden, 
die    aber   in   trockenen  Jahreszeiten    versiegt.     Am  Fuße    des  Berges   sind 


Brücke  über  den  Dayi  bei  Gbedzig-be  -  Hohoe  (zu  S.  11). 


einige  salzhaltige  Quellen,  die  in  regenarmen  Jahrgängen  ebenfalls  ver- 
trocknen. Der  Berg  mit  seinen  steilen  Felspartieen  nach  Süden  ist  für  die 
weit  in  der  Ebene  zerstreut  wohnenden  Adakluev  das  Wahrzeichen  gemein- 
samer Abstammung  und  eines  lebhaft  empfundenen  Stammesbewußtseins. 
Etwa  50  —  60  km  nordöstlich  hegt  der  Aguherg^  der  schon  aus  der 
Ferne  einen  viel  großartigeren  Eindruck  macht.  Wie  der  Adaklu,  so  ragt 
auch  er  ganz  unvermittelt  aus  der  Ebene  empor  und  erreicht  in  der  Bau- 
mannspitze eine  Höhe  von  980  m.  Obgleich  holzarm,  entspringen  an  seinen 
Abhängen  doch  mehrere  wasserreiche  Quellen,  die  sich  als  starke  Bäche 
in  der  Ebene  mit   größeren  Flüssen  vereinigen.     An    seinem  südwesthehen 


Das  Land  der  Eweer. 


11 


Abhang  liegen  die  KebudörieT,  das  höchste  bis  zu  790  m  über  dem  Meer. 
Verschiedene  Partieen  des  Berges  werden  als  t)-d  verehrt,  und  der  ganze 
Berg  spielt  in  den  Volkssagen  eine  bedeutende  Rolle. 

2.  Die  Gewässer. 

Fließende  Gewässer  hat  das  Uihelsind  zwar  mehrere,  aber  außer 
dem  Unterlauf  des  Mano  ist  keiner  seiner  Flüsse  schiffbar.  In  Däyi,  an  dem 
Nordabhang  des  oben  beschriebenen  Bergzuges,  entspringt  der  gleichnamige 
Fluß  Däyi.    Er  nimmt  auf  seinem  Wege  durch  die  nördliche  Ebene  eine  große 


Dorf  am  Laguneuufer  unter  Kokospalmen  (zu  S.  12). 
An  den  beiden  Stangen  sind  Netze  zum  Trocknen  ausgehängt. 


Anzahl  von  Quellbächen  in  sich  auf  und  ergießt  sich  unter  6^  40'  in  den  Volta. 
Auf  der  Südseite  des  Gebirges  und  am  Agu  entspringen  die  Flüsse  Tsaicoe, 
Todzie,  Zio  und  Ha  ho.  Außer  dem  Tsawoe,  der  sich  in  den  Volta 
ergießt,  münden  die  andern  alle  in  die  Lagunen  am  Südrand  der  Ebene. 
Der  Tiydzie  mündet  in  die  Ketalagune^  Zio  und  Haho  speisen  den  Togosee. 
Charakteristisch  ist  die  Erscheinung,  daß  nur  die  bedeutenden  Wasser- 
massen des  Volta  die  Kraft  haben,  die  Sandbank  an  der  Küste  zu  durch- 
brechen und  sich  unmittelbar  in  die  See  zu  ergießen.  Der  geringe  Wasser- 
stand und  der  träge  Lauf  der  andern  Flüsse  sind  wohl  die  Ursache,  daß  sie 
die  Nehrung  nicht  zu  durchbrechen  vermögen.    Ihre  Schlammanschwemmung 

2* 


J2  Erstes  Kapitel. 

verbreitert   die  Sandbank   zwischen  Meer   und  Lagune    und   bereichert   sie 
mit  Humusbestandteilen. 

Stehende  Gewässer  hat  das  Eweland  außer  den  Lagunen  keine. 
Die  Ketal&gnne  ist  ungefähr  40  km  lang  und  14  km  breit.  Sie  ist 
die  größte  unter  allen,  vertrocknet  aber  von  Zeit  zu  Zeit,  so  daß  die 
Eingebornen  trockenen  Fußes  hindurchgehen  können.  In  ihrem  Bett 
gewinnen  sie  Salz,  das  als  bedeutender  Handelsartikel  bis  weit  in  das 
Innere  hinein  verkauft  wird.  Die  Togolagune  hinter  Porto  Seguro 
nähert  sich  dem  Meer  auf  etwa  600  m.  Bei  einer  Länge  von  11  und 
einer  Breite  von  5  km  hat  sie  eine  Tiefe  von  2  —  2V2  ^-  Sie  ist  nicht 
salzhaltig  und  trocknet  nie  aus.  Die  Folagune  hinter  Aiieho  ist  die 
kleinste  unter  allen  und  wird  hauptsächlich  durch  den  Togoaee  gespeist, 
mit    dem    sie    durch    einen    etwa  100  m  breiten  Arm   in  Verbindung  steht. 

3.  Das  Klima. 

Dieses  teilt  die  charakteristischen  Merkmale  der  klimatischen  Ver- 
hältnisse, welche  jenen  Ländergebieten  eigen  sind,  deren  Küstenlinie  nicht 
von  Norden  nach  Süden,  sondern  von  Westen  nach  Osten  sich  erstreckt. 
Andauernde  Hitze,  die  an  der  Küste  eine  Mitteltemperatur  von  26,5 0, 
in  Misahöhe  bei  einer  Meereshöhe  von  460  m  eine  solche  von  24,2°  er- 
reicht, ist  das  empfindlichste  Zeichen  jenes  Tropengebiets.  Wie  erschlaffend 
ein  Klima  wirken  muß,  in  welchem,  wie  z.  B.  in  Bo,  ein  Tag  im  April 
mit  26°  C.  beginnt  und  mit  genau  demselben  Wärmestand  schließt,  während 
er  mittags  2  Uhr  zuweilen  31 — 33 ^  erreicht,  kann  sich  jeder  vorstellen, 
der  schon  unter  einem  heißen  Sommer  in  Deutschland  geseufzt  hat.  Eine 
andere  Eigenart  des  Klimas  besteht  in  dem  oft  sehr  schroffen  Wechsel 
der  Temperatur.  Während  vor  einem  ausbrechenden  Gewitter  die  drückendste 
Schwüle  herrscht,  Avird  in  Bo  die  Atmosphäre  während  seiner  Dauer  bis  auf 
170  abgekühlt.  Diese  Wechsel  sind  für  die  an  Wärme  gewöhnten  Europäer 
und  Eingeborne  sehr  empfindlich.  Der  frische  Seewind,  der  au  der  Küste 
im  Laufe  des  Vormittags  eintritt,  mildert  die  Temper^itur  und  macht  die 
Hitze  erträglicher. 

Unsere  vier  Jahreszeiten  kennt  man  dort  nicht.  Die  am  stärksten 
sich  unterscheidenden  Jahreszeiten  sind  Regenzeit  und  trockene  Zeit. 
Die  Regenzeit  folgt  im  allgemeinen  dem  höchsten  Sonnenstand  in  den 
ersten  Wochen  des  April  und  dauert  3  —  4  Monate.  Sie  erreicht  im 
Monat  Juni  oder  Juli  ihren  Höhepunkt;  darauf  folgt  eine  verhältnismäßig 
trockene  Zeit,  welche  Ende  Juli  oder  Anfang  August  beginnt  und  sich  über 
den  Monat  September  ausdehnt.  Mitte  September  erreicht  die  Sonne 
wieder  ihren  höchsten  Stand,  worauf  die  kleine  Regenzeit  im  Oktober 
einti'itt  und  bis  in  den  November  dauert.  Wie  verschieden  die  Regen- 
verhältnisse zwischen  der  Küste  und  dem  Innern  sind,  geht  daraus  hervor, 
daß  man  im  Jahre  1902  auf  der  Plantage  Kpeme  an  der  Küste  90,  am  Ag^i 
in  Mittel -Togo  dagegen  122  Regentage  zählte.  In  gleichem  Verhältnis 
steht  die  Regenmenge  mit  532,1  mm  an  der  Küste  und  1305,6  mm  Regenfall 
am  Agit.  Die  große  trockene  Zeit  herrscht  während  unseres  hiesigen 
Winters  von  Dezember  bis  Februar.    Es    ist  das  die  sogen.  Harmattan- 


Das  Land  der  Eweer. 


13 


zeit,  in  welcher  ein  vom  Nordosten  kommender  trockener  und  kalter 
Wind  bläst.  Derselbe  führt  Wüstensand  mit  sich  und  ist  von  einer 
dunstigen,  trockenen  Atmosphäre  begleitet.  Der  Himmel  ist  in  Dunst 
gehüllt,  so  daß  alle  Fernsicht  verhüllt  ist,  und  man  in  die  Sonne,  die  als 
eine  blaßrote  Scheibe  steht,  ohne  den  geringsten  Schmerz  sehen  kann. 
Der  Wind  zieht  die  Haut  zusammen  und  läßt  sie  aufspringen,  Türen  und 
Fensterläden,  sowie  alles  hölzerne  Gerät  schrumpfen  zusammen;  von  den 
Möbeln  springt  die  Furnitur  ab,  die  Einbände  der  Bücher  krümmen  sich, 
Hände  und  Lippen  springen  auf.  Unter  den  Eingebornen  gibt  es  während 
der  Harmattanzeit  besonders  häufig  Lungenentzündung.  Auffallend  ist,  daß 
sich   mit  Wunden    behaftete    Eingeborne    in   der   Hoffnung   auf  diese    Zeit 


Landschaft  mit  Affenbrotbäumen  (zu  S.  16). 


freuen,  daß  sie  ihnen  Heilung  bringen  werde.  Im  Harmattan  wird  gewöhn- 
lich auch  die  Beschneidung  vorgenommen. 

Da  die  klimatischen  Verhältnisse  einen  nachweisbaren  Einfluß  auf 
die  religiösen  Vorstellungen  der  Eiheer  haben,  so  möge  hier  noch  die 
Beschreibung  eines  Gewitters  folgen,  die  sich  in  „den  Mitteilungen  von 
Forschungsreisenden  und  Gelehrten",  Band  HI,  S.  23,  findet.  Dort 
heißt  es : 

„Was  die  Tornados  betrifift,  so  sind  dieselben  vor  Eintritt  der  eigentlichen  Regenzeit 
von  März  bis  Mai  und  mit  dem  Ende  derselben  im  Oktober  am  häufigsten.  Sie  können 
aber  auch  zu  jeder  andern  Jahreszeit  vorkommen,  besonders  bei  Perioden  großer  Hitze, 
welche  eines  der  sichersten  Anzeichen  für  dieselben  bildet.  Vor  dem  Ausbruch  eines  solchen 
Sturmes  herrscht  gewöhnlich  eine  drückende  Schwüle  und  eine  ungewöhnliche  Ruhe  in  der 
Atmosphäre.     Kein  Blatt,   kein  Grashalm   bewegt   sich,    das  Insektenleben  verstummt,    selbst 


SU 


Das  Land  der  Eweer. 


15 


die  sonst  so  lauten  Frösche,  Heuschrecken  und  Grillen  kommen  zum  Schweigen.  Der 
bisher  blendend  blaue  Himmel  trübt  sich  und  überzieht  sich  mit  einem  schmutzig  grau- 
braunen Dunstschleier,  der  in  der  Himmelsrichtung,  aus  welcher  das  Unwetter  losbrechen 
wird,  sich  zu  schweren,  oft  mit  rötlichen  Rändern  versehenen,  äußerst  drohend  geballten 
Wolkenmassen  verdichtet.  Mit  der  weiteren  Entwicklung  des  Phänomens  bildet  sich  dann 
am  Horizont  aus  diesen  Wolken  ein  einförmig  graues,  sich  schnell  vergrößerndes  Segment 
aus,  das  durch  Kontrastwirkung  gegen  die  darüber  schwebenden,  durch  heftige  Luftströmungen 
unruhig  sich  bewegenden  schwarzen  Wolken  fast  weiß  erscheint.  Graue  Wolkenfetzen  jagen 
voran,  und  bald  erfolgen  die  ersten  Windstöße  aus  der  Richtung,  in  welcher  das  Segment 
steht.  Das  Thermometer  sinkt  rasch,  oft  um  8 — 10^.  Lebhafte  Blitze,  begleitet  und  gefolgt 
von  scharfen  Donnerschlägen,  entladen  sich  bald  in  rascher  Reihenfolge ;  in  wenigen  Augen- 
blicken hat  das  Unwetter  dann  den  Beobachter  erreicht.  Mit  einem  gewaltigen  Stoß  bricht 
der  Staub,  Schmutz,  Blätter  und  kleine  Aste  mit  sich  führende  Sturm  herein,  von  den  ersten 


Landesbrüeke,  ein  über  die  Flußufer  liegender  Baumstamm  (zu  S,  18). 


großen  Tropfen  des  bald  in  Strömen  herniederstürzenden  Regens  begleitet.  Unaufhörlich 
leuchten  die  Blitze,  der  Donner  rollt  bald  hoch  und  dumpf,  bald  in  scharfen,  krachenden, 
die  Erde  erschütternden  Schlägen,  die  Verfinsterung  der  Luft  vermehrt  den  Schrecken  des 
Phänomens  und  läßt  den  Aufruhr,  in  dem  sich  die  ganze  Natur  befindet,  das  unaufhörliche 
Aufleuchten  der  elektrischen  Entladungen,  die  bald  nicht  mehr  zu  zählen  sind,  um  so 
^chärfer  hervortreten.  Doch  der  Sturm  dauert  nicht  lange;  schon  nach  10  oder  20  Minuten 
ist  er  vorüber;  aber  der  Regen  hält  oft  noch  stundenlang  an,  iind  Blitze  und  Donner  dauern 
an  allen  Himmelsrichtungen  ebenfalls  noch  längere  Zeit  fort." 

III.  Pflanzen-  und  Tierwelt. 

Mehr  noch  als  die  geographischen  Verhältnisse  haben  Pflanzen  und 
Tiere  einen  Einfluß  auf  die  eigenartige  Grestaltung  des  geistigen  Lebens  der 
Eibeneger  gehabt. 


16  Erstes  Kapitel. 

1.  Die    Pflanzenwelt. 

Aus  dem  Reichtum  der  dortigen  Vegetation  sollen  hier  zuerst  einige 
für  das  Nachdenken  des  Uweevs  besonders  geeignete,  wild  wachsende 
Pflanzen  erwähnt  werden. 

Der  Affenbrotbaum,  adido,  gehört  ausscliließlich  der  trockenen  Ebene 
an.  Er  gedeiht  in  der  Nähe  der  Lagunen,  kommt  aber  auch  landeinwärts, 
sogar  noch  am  Fuße  der  Berge  vor.  Sein  Stamm  mit  glänzend  hellgi'auer 
Rinde  gewinnt  einen  Umfang  von  10 — 20  m,  hat  aber  nur  weiches  und 
schwammiges  Holz.  Seine  dicken,  den  größten  Teil  des  Jahres  nur  spärhch 
mit  Blättern  versehenen  Äste  streckt  er  wie  mächtige  Arme  über  das  zu 
seinen  Füßen  stehende  Gras  imd  Gebüsch  aus.  Auf  dem  Grunde  der 
großen,  weißen  Blütenkelche  befindet  sich  Blütenhonig,  weshalb  sie  von  den 
Eingebornen  gesammelt  und  ausgesogen  werden.  In  der  kakaoähnhchen 
Fruchtschale  ist  eine  braune  mehlige  Masse  eingeschlossen,  in  welche  die 
Kerne  eingebettet  sind.  Dieselbe  wird  ihres  süßsäuerlichen  Geschmackes 
wegen  gerne  gegessen.  Wenn  geröstet,  sollen  auch  die  Kerne  einen  gviten 
Geschmack  haben.  Die  Asche  der  Frucht  ist  ein  wichtiger  Bestandteil  der 
Landesseife.  Aus  dem  zähen  Bast  des  Baumes  verfertigen  die  Eingebornen 
Sti'icke.  An  der  Küste  hat  jeder  Affenbrotbaum  einen  besonderen  Namen, 
der  die  Güte  seiner  Früchte  bezeichnen  soll.  Da  heißt  der  eine  etwa 
awlesikpui,  „der  kleine  Tanzuarr",  ein  anderer  bolo,  „der  Unbeschnittene", 
ein  dritter  hekeni,  „der  Feuchte".  Mit  diesen  Namen  verbinden  sich  für 
die  Eingebornen  bestimmte  Vorstellungen,  mit  Hilfe  deren  sie  feststellen 
können,  von  welchem  Baume  sie  eine  Frucht  genossen  haben.  Der  gewaltige 
Umfang  des  Stammes  wiu-de  in  der  religiösen  Volksanschauung  das  Bild  für 
die  Welt  und  des  gesamten  menschlichen  Wissens.  Vielerorts  wird  der 
Stamm  mit  einem  Zaun  umgeben,  in  denen  die  Eingebornen  Opfer  für  die 
tröwo  niederlegen,  deren  Behausung  der  mächtige  Baumriese  ist. 

Die  Fächerpalme  mit  ihrem  hohen,  in  der  Mitte  etwas  verdickten 
Stamm  und  ihrer  schönen  Blätterkrone  beherrscht  einen  großen  Teil  der 
Ebene.  Gerade  in  der  ödesten  Savanne  ist  sie  am  häufigsten  zu  sehen. 
Ihre  fünfzehn  bis  zwanzig  fächerartigen  Riesenblätter  stehen  an  der  Spitze 
des  Stammes  in  einem  Büschel  beisammen.  Dieselben  werden  von  den 
Bauern  und  Händlern  gerne  zvim  Schutz  gegen  den  Regen  benützt.  Die 
etwas  melu-  als  zwei  Faust  große  Frucht  besteht  aus  einer  gelben  faserigen 
Masse,  die  einen  harten  Kern  umschließt  und  genießbar  ist.  Durchreisende 
Karawanen,  besonders  aber  die  Affen  stillen  gern  ihren  Hunger  daran.  Das 
Innere  der  weiblichen  Fächerpalme  ist  weich,  weshalb  der  Stamm  leicht 
ausgehöhlt  und  den  verschiedensten  Zwecken  dienstbar  gemacht  werden 
kann.  In  Dqfo  am  Volta  dienen  diese  hohlen  Stämme  als  Bienenhäuser, 
welchen  der  herrlichste  Honig  entnommen  wird.  Man  benützt  sie  als 
Hühnerställe  und  in  der  Nähe  der  Bäche  und  Flüsse  als  Boote.  Den  Stamm 
der  männlichen  Palme  spaltet  man  zu  Balken,  und  aus  den  zähen  Blättern 
beider  werden  allerlei  Flechtarbeiten  gemacht.  Der  sehr  berauschende  Saft 
der  Fächerpalme  soll  in  frühereu  Jahren  zum  Affenfang  benützt  worden 
sein.  Die  Eingebornen  hatten  herausgefunden,  daß  die  Affen,  wenn  sie  die 
Maisäcker  verwüstet  hatten,  sich  gerne  dem  Palmweingenuß  ergaben.     Die 


Das  Land  der  Eiveer. 


17 


Bauern  stellten  deswegen  einige  kleine  Töpfe  voll  Fächerpalmwein  an  ver- 
schiedene Plätze  auf  dem  Kornacker.    Hatten  sich  die  Tiere  satt  gefressen, 


Einblick  iu  eiu  yamsleld  mit  Termitenbau  (zu  S.  19). 


so  tranken  sie  diesen  Saft  und  wurden  so  berauscht,  daß  es  ein  leichtes 
war,  sie  zu  fangen  oder  zu  erlegen.  In  der  Anschauung  des  Volkes  gilt 
die  Fächerpalme  als  Symbol  der  Festigkeit  und  Stärke. 


18 


Erstes  Kapitel. 


Der  Oduinbaum,  von  den  Europäern  schon  öfters  die  „Eiche 
Afrikas"  genannt,  findet  sich  an  Flußufern  in  der  Ebene  und  in  den  be- 
waldeten Bergtälern  vor.  Sein  termitensicheres  Holz  ist  rötlich,  schön 
maseriert  und  wird  hauptsächlich  zum  Bau  europäischer  Häuser  und  zur 
Anfertigung  von  Möbeln  verwendet.  Die  von  den  Alten  übernommenen 
Gebräuche  verboten  das  Verbrennen  des  Holzes,  weil  der  Rauch  schädliche 
Wirkungen  habe.  Diesem  Umstände  verdanken  wir  heute  den  verhältnis- 
mäßig reichen  Bestand  dieses  Baumes. 


1  2  3  4 

Togo -Obst  (zu  S.  20). 

1.  Apfelsinen,    darüber  eine  Ananas.      2.  Brotfrucht.      3.  Pisang.      4.  Ananas. 

5.  Mango,  Ananas  und  Pisang.     6.  Kokosnüsse.     7.  Bananen  und  Pisang. 


Die  wilde  Dattelpalme  kommt  nur  in  der  Ebene  vor.  Ihre  reifen 
Früchte  werden  gegessen.  Der  Stamm  dient  als  Bauholz.  Ihren  süßen, 
klebrigen  Saft  trinken  die  Eingebornen,  und  aus  ihren  Blättern  flechten  sie 
Hüte.  In  den  vielen  Sprichwörtern  kommen  die  mancherlei  Vorzüge  der 
wilden  Dattelpalme  nach  verschiedenen  Seiten  hin  zur  Sprache. 

Der  zähe  Bast  der  Raphiapalme  wird  häufig  zu  kultischen  Zwecken 
verwendet,  und  wirft  man  in  Matse  ihre  Blätter  in  einen  gewissen  Bach, 
so  trägt  er  mit  ihnen  das  Leiden  und  Leid  der  Menschen  weg. 

Die  Indigo  pflanz  e  ,  die  in  der  Ebene  und  auf  den  Bergen  gedeiht, 
hat  für  den  Eweev  die  größte  Bedeutung.     Aus  ihren  Blättern  und  Blüten  ge- 


Das  Land  der  Eweer. 


19 


winnt  er  jene  unverwüstliche  blaue  Farbe,  die  in  seiner  Vorstellung  das  Bild 
der  Ewigkeit  geworden  ist.  Am  Agu  bedeutet  der  Ausdruck  tso  ania  nie  yi  ama 
me,  „von  Indigoblau  zu  Indigoblau"  soviel  als  „von  E^vigkeit  zu  Ewigkeit". 
Aus  der  großen  Zahl  solcher  Pflanzen,  deren  medizinischen 
Wert  der  EiheQV  erkannt  hat  und  in  Anwendung  bringt,  sei  hier  nur  der 
kpomi,    ein  Baum    mit   milchweißem  Safte    und    fliederähnlichen  Blüten  ge- 


Fällen  der  Ölpalrae  (zu  S.  21). 


nannt,    dessen  Rinde    mit    Palmwein    abgekocht,    mit   gutem    Erfolg    gegen 
Dysenterie  angewandt  wird. 

An  Kulturpflanzen  haben  6.\q  Eweex  vier  verschiedene  Arten  von 
Knollengewächsen,  nämlich  Yams,  Stockyams,  die  süße  Kartoffel  und 
Taro,  mankani,  die  an  Geschmack  und  Verwendung  Ähnlichkeit  mit  unserer 
Kartoffel  haben.  In  der  Religion  wird  der  Yams  für  alle  Götter  als  Opfer- 
gabe   dargebracht.     Ebenso    wichtig   für   diesen  Zweck  sind  die  Körner- 


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Das  Land  der  Eweer.  21 

fruchte,  von  welchen  das  ^rrdand  Mais,  Hirse  und  Reis  hervorbringt. 
Während  der  Mais  im  ganzen  Lande  gedeiht,  beschränkt  sich  der  Reis 
auf  die  Berge  und  deren  nächste  Umgebung.  Die  Hirse  war  vor  alters 
an  der  Küste  eines  der  wichtigsten  Nahrungsmittel,  wird  aber  heute  nm- 
noch  zu  kultischen  Zwecken  verwendet.  Den  älteren  Göttern  werden  ihre 
Trankopfer    mmer  noch  in  Hirsebier  dargebracht. 

An  Obst  erzevigt  das  jE'?tVland  die  Mango,  eine  in  reifem  Zustande 
sehr  süße  und  schmackhafte,  pflaumenartige  Frucht.  Der  Baum  ist  immer 
grün  und  trägt  zweimal  im  Jahr  seine  Früchte.  Apfelsinen  wurden 
bisher  nur  an  der  Küste  von  Eingebornen,  im  Innern  dagegen  hauptsächlich 
von  Europäern  gepflanzt.  Verschiedene  Limo nenarten,  Goaven,  Sauer- 
und Süßsoaps,  und  nicht  zu  vergessen  die  Bananen  und  Ananas,  sind 
bei  Eingebornen  und  Europäern  beliebt. 

-Von  sonstigen  Kulturgewächsen  ist  die  ölpalme,  mit  der  große 
Gebiete  bepflanzt  sind,  für  das  Leben  des  Eiheevs.  von  der  größten 
Bedeutung.  An  ihr  kann  er  alles :  Wurzeln ,  Stamm ,  Saft ,  Zweige, 
Blätter  und  Früchte  verwenden.  Es  ist  deswegen  verständlich,  daß  in 
Ho  unter  einer  ölpalme  die  Opferschüsseln  für  den  Himmel  stehen.  Saft 
und  Früchte  werden  als  Opfergaben  verwendet  und  ihre  Blätter  haben  eine 
das  Übel  vertreibende  Kraft.  Steigende  Aufmerksamkeit  wird  auch  einem 
rationellen  Anbau  der  Baumwolle  zugewendet,  die  im  Lande  heimisch 
ist  und  ein  guter  Ausfuhrartikel  sein  wird. 

2.  Die  Tierwelt. 

Hat  die  Pflanzenwelt  schon  einen  tiefgehenden  Einfluß  auf  die 
Gestaltung  des  geistigen  Lebens  des  Eibeers,  so  läßt  sich  das  bei  der 
Tierwelt  in  noch  weit  höherem  Grade  nachweisen.  Diese  ist  reich  und 
mannigfaltig.  Dort  haust  der  Büffel,  welcher  in  kleineren  Herden  in 
gras-  und  wasserreichen  Ebenen  und  Tälern  weidet.  Wird  er  geschossen, 
so  muß  für  die  in  ihm  wohnende  Seele  eine  eigentliche  Totenfeier  gehalten 
werden.  Seine  Homer  werden  als  zauberkräftig  gedacht  und  deswegen 
in  der  Zauberei  viel  gebraucht.  Elefanten  soll  es  einstens  viele  gegeben 
haben;  jetzt  aber  sind  sie  ins  Hinterland  zurückgedrängt  und  nur  einzelne 
Exemplare  verhören  sich  in  die  menschenleeren  Savannengebiete  am  Volta 
und  hinter  dem  Ac/u.  Der  Elefant  ist  das  Symbol  der  Kraft,  aber  auch 
das  der  Gutmütigkeit,  der  sich  von  der  kleinen  Spinne  überlisten  läßt.  Seine 
Zähne  werden  mit  Vorliebe  in  der  afrikanischen  Musik  verwendet. 

Das  hervoiTagendste  Raubtier  ist  der  Leopard,  der  in  Fels-  und 
Baumhöhlen  wohnt  und  in  dichtem  Gebüsch,  hohem  Gras  oder  auf  niederen 
Bäumen  auf  seine  Beute  lauert.  Für  den  erlegten  Leopard  muß  der  Jäger 
ein  Totenfest  abhalten.  Der  Kopf  des  toten  Tieres  wird  sorgfältig  zuge- 
bunden, weil  sein  nach  oben  gerichteter  Blick  den  Regen  verhalten  würde. 
Sein  Fell  wird  häufig  von  Priestern  getragen  und  Zähne  und  Krallen  werden 
als  Zauber  verwendet. 

Die  vielen  Antilopenarten  von  der  Größe  einer  jungen  Ziege 
bis  hinauf  zur  Pferdeantilope  sind  den  Menschen  durch  ihr  Fleisch  und 
Fell   nützlich  und    werden    eifrig  gejagt.     Ihren   gewundenen  Hörnern  wird 


22 


Erstes  Ka])itel. 


1 


starke  Zauberkraft  zugeschrieben.  Den  Knochen  dieser  Tiere  opfern  die 
Jäger  von  Zeit  zu  Zeit,  um  mit  ihrer  Hilfe  die  übrigen  Tiere  erlegen  zu 
können.  Unter  den  vielen  Affenarten  ist  der  Schimpanse  das  gefürchtetste 
Tier.  Von  den  Jägern  wird  seine  Gestalt  in  der  unheimlichsten  Weise 
beschrieben.  Wenn  er  sie  in  seine  Gewalt  bekommt,  raubt  er  ihnen  den 
Verstand,  macht  sie  aber  auch  mit  dem  besten  Jagdzauber  bekannt.  Unter 
den  Nagern  ist  das  Stachelschwein  als  Höhlenbewohner  dem  Gott 
I)ente  geweiht. 

In  der  Familie  der  Kriechtiere  drehen  sich  die  Vorstellungen  der 
Eweex  hauptsächlich  um  die  Riesenschlange,   welcher  an  der  Küste  und  in 


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Jäg-er  mit  erleg-tera  Leopard  (zu  S.  21). 

Matse  eifrig  gedient  wird.  Wenn  sie  aus  den  Termitenhügeln,  ihrem  Ver- 
steck, herausgeht,  so  steigt  ihre  Seele  über  die  Wolken,  um  mit  den 
mächtigen  Geistern  „im  Obern"  zu  lustwandeln,  und  wenn  der  Regen- 
bogen erscheint,  kehrt  ihre  Seele  wieder  auf  die  Erde  zurück. 

In  den  Flüssen  und  Lagunen  des  iS'it'^landes  gibt  es  eine  Menge 
Krokodile,  die  schon  manch  einen  Menschen  verschlungen  oder  ihm 
Arme  und  Beine  abgebissen  haben.  Trotzdem  scheinen  sich  die  Eingeborncn 
vor  dem  lebendigen  Tiere  weniger  als  vor  seiner  Galle  zu  fürchten.  Ich 
war  Augenzeuge  davon,  wie  Eingeborne  in  nächster  Nähe  dieser  häßlichen 
Ungeheuer  sich  badeten.    Der  Erklärungsgrund  hiefür  liegt  in  dem  Glauben, 


Das  Land  der  Eiveer.  23 

daß  das  Krokodil  nur  solche  Menschen  angreift,  die  geheime  Verbrechen 
auf  dem  Gewissen  haben;  für  die  Guten  ist  das  Krokodil  nicht  gefährlich. 
Die  in  manchen  Flüssen  lebende  Sirene,  Seekuh,  wird  als  Wasser- 
mensch  angesehen,  über  den  sich  die  Eingebornen  viel  Wunderbares  zu 
erzählen  haben.  Die  Kröte  ist  eine  Erscheinungsform  der  Frau  des 
Jenseits  und  wird  wahrscheinlich  deshalb  dazu  benützt,  das  Übel  aus  den 
Städten  und  Dörfern  zu  vertreiben. 

In  der  Vogelwelt  haben  der  Adler,  der  Aasgeier,  der  Schildrabe, 
die  Nachteule,  der  Stundenvogel  und  die  wilde  Taube  die  Aufmerksamkeit 
der  JEibeer  besonders  auf  sich  gezogen.  Vom  Adler  wies  Hauptmann 
Kling  drei  verschiedene  Arten  nach  und  stellte  fest,  daß  dieselben  jungen 
Ziegen  und  Schafen  gew^achsen  sind.  Es  ist  also  nicht  unwahrscheinlich, 
daß  sich  auch  der  Adler  des  Eibelsiudes  selbst  an  kleine  Kinder  heranwagt, 
und  die  Parabel,  in  der  der  Adler  ein  kleines  Kind  wegträgt,  beruht  dem- 
nach nicht  ganz  auf  Erfindung.  Die  Federn  des  Aasgeiers,  eines 
Unglücksvogels,  verwendet  man  häufig  in  der  Zauberei.  Der  Schild rabe 
erfreut  sich  unter  den  Eiheevn  einer  großen  Sicherheit  5  sein  Nest  wird  von 
niemand  angetastet,  weil  er  unter  den  Vögeln  als  Zauberer  gilt.  Die  Ursache 
liegt  in  der  zufälligen  Beobachtung,  daß  man  in  seinem  Neste  Kauri- 
muscheln  gefunden  hat.  Die  Nachteule  verkündigt  mit  ihrem  Geschrei 
den  eintretenden  Tod  eines  Menschen.  Der  Stundenvogel  hat  die 
Aufmerksamkeit  wohl  nur  durch  sein  schönes  Gefieder  und  sein  regelmäßiges 
Rufen  auf  sich  gelenkt.  Die  "wilde  Taube  verkündigt  den  Menschen, 
daß  viele  gestorben  seien  und  daß  die  Göttersklavin  Zwillinge  geboren 
habe.  Sie  ruft:  ame  gedewo  yi  ketu  me.  „viele  gingen  in  das  Erdinnere", 
und:  Kosi  dzi  ve,   „die  Kosi  gebar  Zwillinge". 

Unter  den  Flattertieren  war  einstens  der  fliegende  Hund  Haus- 
wächter des  Gottes  Soghle,  wurde  aber  seines  Ungehorsams  wegen  von  ihm 
bestraft  und  streckt  seither  seine  Füße  nach  oben  und  den  Kopf  nach 
unten. 

Die  Spinne  übertrifft  alle  Tiere  des  Feldes  an  Mut  und  List.  Sie 
überlistete  den  Leopard  dadurch,  daß  sie  sein  honiggetränktes  Kleid  ent- 
lehnte, und  den  Elefanten,  dessen  Ohr  sie  als  Kleid  trug  und  nachher  aß ; 
selbst  einem  Häuptling  versteht  sie  das  Geld  abzunehmen,  das  sie  trotz 
wiederholter  Mahnung  nicht  wieder  zurückbezahlt.  Vermöge  ihrer  Zauber- 
kraft gelingt  es  ihr,  dem  Schwertvogel  mit  einem  scharfen  Messer  den 
Schnabel  abzuhauen  und  dadurch  einer  ganzen  Stadtbevölkerung  ihren 
sicheren  Wohnsitz  zurückzugeben.  Durch  die  Spinne  kamen  aber  auch  die 
Wunden  und  selbst  der  Tod  in  die  Welt. 

An  den  Termiten  sind  den  Eingebornen  ihre  hohen  Bauten,  ihre 
kunst\'ollen  Nester  und  die  geordnete  Einrichtung  ihrer  ganzen  Kolonie  von 
Interesse.  Die  in  eine  LehmzeUe  eingeschlossene  Königin  ist  die  Mutter  der 
Kolonie  und  wird  deswegen  mit  dem  Häuptling  verglichen,  an  dessen  Dagein 
sich  Wachstum  und  Gedeihen  eines  ganzen  Stammes  knüpft.  Als  ich  vor 
Jahren  auf  einer  Reise  ein  Termitennest  untersuchte,  sagte  ein  Mann  zu  mir : 
„In  unserer  Heimat  zerstört  man  diese  Hügel  nicht.    Sie  sind  Mamu,  Gott." 


p 


Zweites  Kapitel. 


Die  Landschaften  und  Siedlungsverhältnisse 

der  Eweer. 

I.  Landschaften. 

Das  Eive\&nd  hat  im  ganzen  ungefähr  1 2  2  größere  und  kleinere 
Landschaften,  von  denen  16  unter  englischer  Oberhoheit  stehen. 
Ihrer  Lage  nach  lassen  sie  sich  einteilen  in  Küste,  Ebene  und  Bergland- 
schaften. 

1.  Küstenlandschaften. 

Unter  den  sechs  Küstenland  Schäften  sind  Anlo,  Be,  Togo  und 
Genyi  die  wichtigsten. 

Anlo  liegt  in  der  südwestlichen  Ecke  des  JS'it'ggebiets  und  wird  durch 
die  iTgtolagune  in  eine  südliche  und  nördliche  Hälfte  geteilt.  Bei  einer 
Küstenlänge  von  46  km  erstreckt  es  sich  von  der  Mündung  des  Volta  bis 
Kedzi  6  km  östlich  von  Keta.  Die  Hauptstadt  dieser  Landschaft  ist  Anlogä, 
„groß  AnW^^  auf  der  Nehrung  am  westlichen  Südrand  der  Lagune.  Die 
bedeutendste  Handelsstadt  jenes  Stammes  ist  Keta  (Quittah,  Kwitta).  Die 
Stadt  ist  Sitz  eines  englischen  Beamten,  der  in  einem  von  den  Dänen  im 
Jahre  1784  erbauten  Fort  residiert,  das  im  19.  Jahrhundert  käuflich  in 
den  Besitz  der  Engländer  überging.  Erst  im  Jahre  1874  wurde  dieser 
östlich  vom  Volta  liegende  Teil  von  den  Engländern  wieder  besetzt  und 
der  Goldkiistenkolonie  einverleibt.  Auf  dem  der  Stadt  vorgelagerten  Kap 
St.  Paul  unterhalten  die  Engländer  seit  einer  Reihe  von  Jahren  ein  Leucht- 
feuer. 

Unter  den  verschiedenen  dort  ansässigen  Handelsfirmen  eröffnete  die 
FiiTna  Fr.  M.  Victor  &  Söhne  in  Bremen  schon  im  Jahre  1857  Handels- 
geschäfte mit  den  Eingebornen  und  ließ  sich  später  an  allen  bedeutenderen 
Küstenplätzen,  wie  Lome  und  Aneho  nieder.  Der  jeden  vierten  Tag  ab- 
gehaltene Ketavtx&xkX  wurde  von  den  Inlandbewohnern  häuptsächlich  seiner 

3 


26 


Zweites  Kapitel. 


Fische  wegen  oeme  besucht.  Seit  1853  arbeitet  in  Keta  die  evangelische 
Norddeutsche  und  seit  1890  eine  von  Lyon  aus  geleitete  römisch-katholische 
Mission. 

Etwa  35  km  östlich  von  Anlo  liegt  die  Landschaft  B  e  mit  der  Königs- 
stadt   Bega,   „Groß-i?e".     Die    bedeutendste    Stadt    ist  Lome,    ein    einstiges 


Fischerdorf,  jetzt  der  Sitz  des  deutschen  Gouvernements  von  Togo.  Im 
Jahre  1884  unter  deutsche  Schutzherrschaft  gestellt,  bKthte  der  damals 
noch  kleine  Handelsplatz  rasch  auf.  Gegenwärtig  treiben  zwölf  europäische 
und  sechs  eingeborne  Handelsfirmen  ihre  Geschäfte  in  Lome.  Die  Stadt 
zählte  am  1.  Januar  1905  5784  einheimische  und  125  europäische  Einwohner. 


Die  Landschaften  und  Siedlun^sverhältnisse    der  Eweer. 


27 


Im  Kalenderjahr  1904  liefen  178  Schiffe  auf  der  Reede  von  Lome  an,  die 
einen  Gehalt  von  279  587  Registertonnen  hatten.  Zur  Erleichterung  der 
Landung  von  Menschen  und  Waren  erbaute  die  deutsche  Regierung  eine  am 
27.  Januar  1904  eingeweihte  Laudungsbrücke,  über  deren  Nutzen  nur  eine 
anerkennende  Stimme  herrscht.  Mußte  man  früher  durch  die  stets 
gefährliche  Brandung  von  Lome,  so  kann  man  jetzt  über  den  brausenden 
Wogen  auf  der  Brücke  trockenen  Fußes  au  Land  kommen  und  die  Gefahren 
der  Brandung  von  Lome  sind  jetzt  wie  nicht  mehr  vorhanden.  Gingen 
früher  5  —  6  %  der  Waren  in  der  Brandung  verloren,  ganz  abgesehen  von 
dem  großen  Prozentsatz  beschädigter  Sachen,  so  wurden  1904  an  172  Betriebs- 
tagen 8297,4  Tonnen  und  6602,2  cbm  befördert,  von  denen  nur  8,15  Tonneu 
oder  0,05  %    verloren    gingen,    während  Beschädigungen    durch    Seewasser 


Die  Laudung-sbrücke  iu  Lome. 


überhaupt  nicht  festgestellt  wurden.  Der  Verkehr  mit  dem  Hinterlande 
vollzog  sich  bis  jetzt  auf  zwei  breiten  Straßen,  deren  eine  über  Kpalime 
nach  Kpando  und  die  andere  über  Notsie  nach  Atahpame  und  von  dort 
weiter  ins  Hinterland  führt.  Die  Straßen  verzweigen  sich  im  Hinterland 
und  erleichtern  so  den  Verkehr  der  Inlandbewohner  mit  der  Hauptstadt. 
Seit  dem  18.  Juli  1905  ist  die  erste  Eisenbahn  in  Togo,  welche  Lome 
mit  der  etwa  40  km  östlich  gelegenen  Küstenstadt  Aneho  verbindet,  dem 
öjBFentlichen  Verkehr  übergeben  und  befördert  täglich  etwa  200  Eingeborne 
als  Fahrgäste.  Eine  Inlandbahn  von  Lome  nach  dem  122  km  ent- 
fernten Agome-Kpalime ,  dem  Hauptort  des  fruchtbaren  und  dicht- 
bevölkerten Misahöhebezirkes,  ist  im  Bau;  die  Teilstrecke  Lome-JSfoewe 
wurde  am  27.  August  1905  im  Beisein  der  auf  einer  westafrikanischen 
Studienreise    befindlichen   Reichstagsabgeordneten    eröffnet,    die  Vollendung 

3* 


28 


Zweites  Kapitel. 


der  Bahn  ist  bis  Ende  1906  zu  erwarten.  Die  schönsten  Grebäude  der 
Stadt  sind  der  Palast  des  Gouverneurs,  die  römisch-katholische  Kirche  und 
die  im  Bau  begriffene  Kirche  der  Norddeutschen  oder  Bremer  Missions- 
gesellschaft. Damit  sind  auch  schon  die  beiden  Missionen  genannt,  welche 
in  Lome  und  seinem  Hinterlande  arbeiten.  Zu  dem  ausgedehnten  Schul- 
wesen beider  Missionen  wurden  in  den  letzten  Jahren  noch  zwei  Regierungs- 
schulen zur  Heranbildung  eingeborner  Beamter  eröffnet. 

Die  östlich  von  Be  liegende  Landschaft  Togo  verdankt  ihre  Bedeutung 
hauptsächlich  dem  Umstände,  daß  sie  seinerzeit  zuerst  die  deutsche  Flagge 
annahm,  infolgedessen  die  ganze  deutsche  Kolonie  mit  ihrem  Namen  be- 
nannt wairde. 

Genyi,    „das    untere    Gi",    liegt   zwischen  Togo    und    dem    J/owofluß. 


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Die  Hamburger  Straße  in  Lome  11)03  (zu  S.  26). 


Seine  Bevölkerung  sind  Einwanderer  aus  Akra,  die  infolge  unglücklicher 
Kriege  mit  Akioamu  ihre  Heimat  verließen  und  an  ihrem  heutigen  Wohnsitz 
einen  Zufluchtsort  fanden.  Die  ersten  Auswanderer  bestanden  in  der  Schwester 
eines  Häuptlings,  die  im  Jahre  1660,  nachdem  sich  ihr  Bruder,  durch  den 
Volkswillen  gezwungen,  hatte  das  Leben  nehmen  müssen,  mit  zwei  seiner 
Söhne  nach  Klein-Popo  zog.  Im  Jahre  1680  folgte  ihr  ein  großer  Volksteil 
von  Akra  unter  der  Führung  des  Königs  Asanmq  nach.  Nach  Vertreibung 
der  BcQV  ließ  er  sich  in  Aneho  nieder,  gewann  bald  daraiff  einen  glänzenden 
Sieg  über  den  König  von  Dahome  und  wurde  infolgedessen  ein  naher 
Verbündeter  dieses  Königs.  Erst  im  Jahre  1733  fand  eine  dritte  Ein- 
wanderung statt.  Die  engen  Beziehungen  dieser  Einwanderer  zu  Dahome 
haben  ohne  Zweifel  einen  starken  Einfluß  auf  sie  und  ihre  Sprache 
gehabt. 


30 


Zweites  Kapitel. 


Äneho,  früher  Klein-Popo,  war  etwa  ein  Jahrzehnt  Sitz  der  deutschen 
Regierung  und  ist  jetzt  nach  ihrer  Übersiedlung  nach  Lome  noch  Sitz  eines 
Bezirksamtmanues,  der  in  Sebbe  hinter  der  Lagune  die  Regierungsgeschäfte 
wahrnimmt.  Hervorzuheben  ist  noch  das  unter  der  Leitung  von  Stabsarzt 
Dr.  Wicke  erbaute  Krankenhaus,  das  den  Namen  des  Afrikaforschers 
Dr.  Nachtigal  trägt,  der  im  Juli  1884  an  der  Togoküste  die  deutsche 
Flagge  hißte.  In  unmittelbarer  Nähe  der  französischen  Grenze  hat  Äneho 
auch  als  Handelsplatz  eine  große  Bedeutung,  was  schon  daraus  hervorgeht, 
daß  im  Jahre   1904  dort  110  Schiffe  anliefen. 


Bas  Nachtig- al-Krankenhaus  in  Aneho. 


2.  Landschaften    in    der   Ebene. 

Unter  den  Landschaften  in  der  Ebene  kommen  für  unsern  Zweck  nur 
der  Adaklu,  Ägotime,  JVotsie  und  etwa  Tado  in  Betracht,  ferner  die  an  dem 
Nordrand  der  Ebene  liegenden  Gebiete :  Abutia,  Sokqde,  Ho  mit  Kpenoe 
und  Akoi'iewe,  sowie   Taviewe,  Matse,   Tanyigbe,   Nyive  und  Ahrofu. 

Der  Adaklu^tSimm.  ließ  sich  bei  seiner  Einwanderung  um  den 
gleichnamigen  Berg  herum  nieder.  Acht  Städte  liegen  am  Fuße  des  Berges 
und  ein  Dörfchen,  Bludome,  soll  auf  seiner  Spitze  sein.  Bis  zum  Tavieihe- 
krieg  im  Jahre  1888  durfte  kein  Fremder  den  Berg  besteigen,  weil  derselbe 
ihr  größter  trö  ist  und  in  Kriegszeiten  für  die  Adakluev  eine  sichere  Zu- 
fluchtsstätte bot.     In  dem  genannten  Jahre  durchbrach  ein  englischer  Beamter 


Die  Landschaften  und  Siedliingsverhältnisse  der  Eweer. 


31 


den  alten  Bann  und  bestieg  den  Berg  als  äußeres  Zeichen  dafür,  daß  der- 
selbe   fortan   für  jeden  Europäer   zugänglich  sei.     Das  Land   ist  am  Fuße 


a 
ja 


des  Berges   fruchtbar,  wird    aber   in    einiger  Entfernung   schon    mager   und 
ist  mit  vielen  Fächerpalmen  bewachsen.    Die  Bevölkerung  treibt  Ackerbau, 


"^ 


i  : 


Die  Landschaften  und  Siedlungsverhältnisse  der  Eweer. 


33 


Weberei  und  etwas  Handel.  Der  Ackerbau  wird  jedoch  durch  die  sein- 
im  Vordergrund  stehende  Palmweinbereitung  vernachlässigt.  Der  Charakter 
der  ÄdaHuer  ist  bei  äußerer  Freundlichkeit  innere  Unentschlossenheit,  die 
zuweilen  mit  heimtückischem  Wesen  viel  Ähnlichkeit  hat. 

Agotime,  auf  beiden  Seiten  des  TofZ^Ieflusses,  liegt  östlich  vom 
Adaklu-  und  südlich  vom  AguhQvg.  Sein  Name  sagt,  daß  jene  Landschaft 
reich  mit  Fächerpalmen  bewachsen  sei;  denn  ^^ofi/wg  bedeutet:  „unter  den 
Fächerpalmen."  Von  seinen  sieben  Städten  haben  Kjyetoe  als  Häuptlings- 
stadt und  Awegäme  seines  Y^tt-^klosters  wegen  einige  Bedeutung  erlangt. 
Seine   Bewohner,')    einst  aus   Adanme,    in  der  Nähe  des  J5r?'o6oberges,   aus- 


Dorf in  der  Ebene. 

Im  Vordergrunde  liegen  zwei  große  Tontöpfe. 


gewandert,  treiben  Ackerbau  und  Kleinviehzucht,  legen  aber  besonderen 
Wert  auf  den  Handel,  durch  den  sie  es  zu  einem  gewissen  Wohlstand  ge- 
bracht haben.  Ihre  Muttersprache,  Adanme,  hat  sich  bis  heute  hauptsächlich 
in  Awegäme  erhalten  und  scheint  in  den  andern  Städten  mehr  und  mehr 
der  jEJit'gsprache  weichen  zu  müssen. 

Die  zahlreiche  Bevölkerung  der  Landschaft  Agu  wohnte  in  früherer 
Zeit  auf  dem  Berge,  wo  sie  die  ersten  Missionare  der  Norddeutschen  Mission 
noch  antrafen.  Die  Häuptlingsstadt  Nyogho  z.  B.  befand  sich  an  dem  nord- 
westlichen  Bergabhang   in    einer   Höhe   von    880  m.     Wegen    fortgesetzter 


1)  In  der  Mitte  des   18.  Jahrhunderts. 


Die  Landschaften  und  Siedlunffsverhältnisse  der  Eweer. 


35 


Streitigkeiten  mit  den  Kebuera  zogen  sie  in  die  Ebene  herunter  und  ließen 
sich  am  Fuße  des  Berges  nieder.  Ihre  Priester,  mit  denen  sie  ebenfalls 
auf  gespanntem  Fuß  gelebt  hatten,  blieben  zurück  und  legten  ein  eigenes 
Dörfchen  an,  das  sie  Mawuwe,  „Gottesplatz",  nannten.  Von  jenem,  das 
Ganze  beheiTschenden  Punkte  aus,  übten  sie  eine  das  gesamte  Volksleben 
umspannende  Herrschaft,  die  niemand  eine  freie  Bewegung  gestattete.  Die 
Priesterhütten  waren  auffallend  klein,  und  ihre  vornehmsten  Insassen  ti'ugen 
Leopardenfelle  auf  dem  Rücken.  In  den  letzten  Jahren  verließen  aber 
auch  sie  ihren  Gottesplatz,  um  sich  bei  ihren  Stammesgenossen  in  der  Ebene 
anzusiedeln.  Gegenwärtig  sind  nur  noch  einige  KehudörieT  auf  dem  Berg, 
deren  höchstes  790  m  ü.  d.  M.  liegt  und  etwa  100  Hütten  zälilt.     Die-,  vier 


Straße  in  Ahoe  (zu  ö.  36). 


andern  Familienteile  der  Aguev  wohnen  rings  um  den  Berg  herum  auf 
einem  sehr  fruchtbaren  Lande,  das  alle  dem  Eweer  nützlichen  Gewächse 
erzeugt.  Ilire  Hauptbeschäftigung  ist  Ackerbau,  öl-  und  Palmweinbereitung, 
sowie  Jagd  und  etwas  Weberei. 

Notsie  kommt  hier  als  Wiege  der  Eweer  und  Tado  für  die  west- 
lichen Gebiete  niu-  seines  Namens  wegen  in  Betracht,  der  dort  verschiedenen 
Göttern  als  Eigenname  beigelegt  wird. 

Ahutia  mit  den  drei  Städten:  Toti,  Agove  und  Kloe  liegt  am  süd- 
lichen Fuß  eines  niedrigen  Bergzuges  westlich  von  Ho.  Das  nicht  besonders 
fruchtbare  Land  nötigt  seine  Bewohner,  sich  ebenso  stark  dem  Handel  als 
dem  Ackerbau  zuzuwenden.     Ilii-  Haupthandelsartikel  ist  Salz,   das  sie  von 


36 


Zweites  Kapitel. 


Adidome  und  Bato  her  auf  den  Markt  bringen.  Viele  seiner  Stammes- 
glieder gehen  auch  hinüber  in  das  T^s/gebiet,  wo  sie  sich  oft  lange  Zeit 
aufhalten  und  der  Weberei  obliegen. 

Sokode,  8  km  östlich  von  Ahutia,  liegt  auf  einem  wasserarmen,  gras- 
bewachsenen Durchbruch  des  Ahutia-Taviewe-^evgzvigeQ.  Im  Asantekv'ieg 
verlor  der  Stamm  durch  List  der  Asanteev  viele  seiner  Glieder,  weshalb  es 
heute  nur  noch  aus  den  zwei  kleinen  Städten  Deme  und  Kpakple  besteht, 
die  zusammen  nicht  mehr  als  etwa  200  Hütten  zählen.  Seine  Bewohner 
treiben  Ackerbau,  Weberei  und  etwas  Handel. 

Ho  mit  seinen  vier  Städten :  Weghe  (Dome),  Banyakoe,  Ahliha  und 
Ahöe  liegt  8  km  östlich  von  Sokode  auf  einem  trockenen,   grasbewachsenen 


Straße  in  Ahliha  (zu  S.  38). 


Gebiet  am  Fuße  des  Taviewehergs.  Ho  ist  also  nicht  der  Name  eines 
heidnischen  Dorfes,  sondern  der  des  ganzen  Stammes.  Das  Wort  bedeutet 
zunächst  nichts  anderes  als  einen  Haufen  dürres  Gras.  Der  Bauer  in  der 
Ebene  legt  seinen  Acker  jedes  Frühjahr  an  einem  anderen  Platze  an,  der 
ganz  mit  hohem  Gras  bewachsen  ist.  Dieses  Gras  wird  ausgehackt  und 
heißt  dann  ho.  Wenn  auf  Haufen  zusammengeworfen,  wird  es  der  Bergungsort 
für  die  kleine  Hacke  und  das  Buschmesser.  Unter  demselben  Gras  halten 
sich  aber  auch  Schlangen  und  Skorpione  auf.  Wer  das  Gras  wegschafft, 
muß  auch  gewärtig  sein,  daß  er  von  einem  Skorpion  gestochen  oder  von 
einer  Schlange  gebissen  wird.  Mit  diesem  Namen  sagt  der  Hoer:  „Als  ein 
Haufen  dürres  Gras  nur  werden  wir  von  unsern  Feinden  angesehen;  aber," 


Der  König'  Mote  Kofi  von  Ho  mit  seiner  Hauptfrau,  f  1884  (zu  S.  40). 
Das  Holz  (aduwätij  im  Munde  der  Frau  wird  zum  Reinigen  der  Zähne  gebraucht. 


38 


Zweites  Kapitel. 


SO  setzt  er  warnend  hinzu,  „hütet  euch,  denn  es  ist  eine  Kraft  in  uns 
verborgen,  die  sich  an  jedem  rächt,  der  uns  aus  unseren  Wohnstätten 
vertreiben  Avill!"  Der  Schwerpunkt  von  Ho  Hegt,  von  der  Missionsstation 
abgesehen,  in  Wecjhe,  der  Königsstadt,  und  Banyahoe,  der  Marktstadt. 
Dichte  Pahnen-  und  schöne  Laubholzwälder  gibt  es  in  Ho  nicht,  weshalb 
auch  die  Beschaffung  des  Brennholzes  für  Fremde  immer  mehr  mit  Schwierig- 
keiten verknüpft  ist.  Die  Hoev  sind  fleißige  Ackerbauern  und  Weber, 
unter  denen  das  Wort  „faul"  zu  der  schimpflichsten  Bezeichnung  gehört, 
die  einem  Manne  gegeben  werden  kann.  Der  Stamm  besteht  aus  drei 
verschiedenen    Elementen,    welche    sich    im    Laufe    der   Jahrhunderte    unter 


Missionsstation  in  Ho  (zu  S.  40). 


vielen  inneren  und  äußeren  Kämpfen  zu  einem  Stammesganzen  zusammen- 
schlössen. Das  älteste  Glied  ist  Banyakoe  mit  AJdiha,  welche  Städte 
ursprünglich  beisammen  gewesen  sein  sollen.  Die  Ahöev  kamen  erst  in 
späterer  Zeit  aus  Yeviewe,  einem  östlichen  Nachbarstamm,  aus  dem  sie 
ihres  schlechten  Charakters  wegen  vertrieben  wurden.  Zu  ihnen  gesellten 
sich  als  Dritter  im  Bunde  die  Einwohner  von  \i^eghe,  d.  h.  (solche,  die)  „die 
£'wßsprache"  (erlernen  mußten).  Die  Stadt  heißt  auch  Dome,  „dazwischen", 
weil  ihre  Einwohner  inmitten  der  Hogy  ihre  Heimstätten  errichten  durften. 
Ihre  Heimat  ist  Krqhq,  von  wo  sie  infolge  eines  unglücklichen  Krieges 
ins  Ewe\2,\\d  auswanderten.  Merkwürdigerweise  bekam  gerade  dieser  jüngste 
und    fremde    Stammesteil    die  Macht    in    die  Hand.     Unter  seinen  Königen 


Die  Landschaften  und  Siedlungsverhältnisse  der  Eiveer. 


39 


WEST 

?_  f 


Nc^-: 


Maafsstab   V-iiOOO 

Plan  der  Missioiisstation  Ho  (zu  S.  40). 


40 


Zweites  Kapitel. 


war    Mqte    Kofi,    Vater    des    jetzigen    Königs,    entschieden    der    tüchtigste, 
dessen  Einfluß  heute  noch  im  Stamme  nachwirkt. 

Schon  im  Jahre  1S5D  kamen  die  Hoqy  dadurch  in  Berührung  mit 
den  Europäern,  daß  Missionare  der  Norddeutschen  Missionsgesellschaft  ihre 
Arbeit  dort  in  Angriff  nahmen,  indem  sie  eine  Station  gründeten.  Dieselbe 
wurde  aber  im  Jahre  1869/70  durch  die  wilden  Horden  der  Asanteev 
zerstört,  und  erst  1876  erstand  sie  wieder  aus  ihren  Ruinen.  Dem  Christen- 
tum und  der  christlichen  Religion  gegenüber  verhielt  sich  dieser  Stamm  lange 
Zeit  ablehnend.  Mit  dieser  Verschlossenheit  war  ein  leidenschaftliches 
Festhalten  an  den  herkömmlichen  Gebräuchen  verbunden.  Die  Hauptstütze 
dieser  Stellungnahme  war  der  König  Mote  Kofi  gewesen,  der  es  verstanden 
hatte,  sein  Volk  für  alles  von  den  Vätern  ererbte  zu  begeistern.  Sein 
Nachfolger  Kumi,    ein  schwächlicher  Charakter,    verhielt    sich   zwar  ebenso 

ablehnend  zu  dem  Christentum,  hatte 
aber  nicht  den  überwiegenden  Einfluß 
auf  seinen  Stamm,  weshalb  seine  Re- 
gierungszeit sich  durch  viele  Über- 
tritte zum  Christentum  auszeichnet. 
Mit  der  Aufnahme  des  Evangeliums 
erschlossen  sie  sich  allmählich  auch 
für  die  Kultur  und  erlernten  das  Holz- 
sägen, das  Maurerhandwerk  und  die 
Tischlerei. 

Die  4 — ^6  km  nordöstlich  von  Ho 
liegenden  Kj^enoe-  und  Äkovieihe- 
städte  bildeten  ursprünglich  mit  Ba- 
nyahoe,  Heve  und  Ahliha  zusammen 
den  eigentlichen  /?ostamm.  Etwas 
weiter  nordöstlich  liegt  an  dem  linken 
Ufer  des  JocM^flusses  die  Land- 
schaft Nyive,  „Elefantenwald",  die 
sich  schon  im  Jahre  1730  unter  der 
Führung  ihres  Königs  Foli  in  einen 
großen  Krieg  gegen  Atikpui  am  Ägu, 
sowie  gegen  die  Akivamuev  einge- 
lassen hatte.  Heute  ist  es  nur  noch  ein  unbedeutender  Ort  auf  dem  Weg 
nach  Agome-Kpalime. 


König-  Kumi  von  Ho,  f  Oktober  1898. 


3.  Die  Berglandschaften. 


Ein  Blick  auf  die  Karte  zeigt,  daß  die  Berggegenden  am  stärksten 
bevölkert  sind.  Allerdings  sind  es  nur  wenige  Stämme,  die  auf  den 
plateauai-tigen  Ausweitungen  der  Berge  selbst  wohnen.  Zu  ihnen  gehören 
die  Stämme  Govieice,  Avatime,  Lor/ba,  Agmne,  Kuma,  Leklehi  und  Däyi; 
aber  auch  bei  diesen  Stämmen  ist  ein  entschiedener  Zug  nach  der  Ebene 
zu  bemerken,  wie  das  bei  Goviewe,  Wodze  und  der  Bevölkerung  des  Adaklu 
und  Agu  deutlich  zu  sehen  ist.    Die  weitaus  größere  Zahl  der  Bergstämme 


Die  Landschaften  und  Siedlungsverhältnisse  der  Erveer. 


41 


liegt  am  südlichen  und  nördlichen  Fuß  der  Berge  oder  in  den  fruchtbaren 
Talebenen  der  Flüsse  Döyi  und  Tsaicoe. 

Die  Bewohner  der  Berglandschaften  sind  im  allgemeinen  fleißige 
Bauern,  die  ihre  Äcker  teils  an  steilen  Bergabhängen,  teils  auch  in  der 
Ebene  anlegen  und  sich  von  Yams-,  Reis-  und  Maisbau  ernähren.  In  ihren 
schönen  Talgründen  gibt  es  noch  viel  Wild,  wodurch  ihnen  bisher  immer 
eine  ergiebige  Jagdbeute  gesichert  war.  In  neuerer  Zeit  haben  sich  die 
Bewohner  einzelner  Berglandschaften  unter  Vernachlässigung  des  Ackerbaus 
sehr  dem  lohnenden  Handel  ergeben.  Genannt  seien  die  Landschaften 
Taviewe,  Matse,   Tanyighe.,  Dodomc,  Klewe  und  Ziavi. 


Rodung-  des  Waldes  zum  Yamsbau. 


Die  beiden  Landschaften  Taviewe  und  Matse  liegen  in  einem  engen 
Bergtale  nordösthch  von  Ho,  wo  sich  einstens  ihre  Bewohner  mit  dem 
ausgesprochenen  Zweck  niederließen,  dort  gegen  ihre  Feinde  gesichert  zu 
sein.  Nur  die  Webervögel,  sagten  sie,  können  sie  dort  erreichen;  Feinden 
aber  werde  das  unmöglich  sein.  Ihre  früher  als  grausam  bekannte 
Bevölkerung  treibt  Ackerbau,  liegt  aber  hauptsächlich  der  Mattenflechterei 
ob.  Daneben  betreiben  sie  das  Schmiedehandwerk,  etwas  Jagd  und  Klein- 
viehzucht. In  Älatse  besonders  steht  die  Mattenflechterei  auf  Kosten  des 
Ackerbaus  sehr  in  Blüte.     Heute    besteht  an  beiden  Orten  je  eine  Schule. 

Do  dorne  liegt  auf  der  Spitze  des  grasbewachsenen  Abutia-Taviewe- 
Bergzuges,  der  dort  in  dem  Labuherg  eine  Höhe  von  etwa  500  m  erreicht. 


42 


Zweites  Kapitel. 


Die  Bevölkerung  war  in  früheren  Jahren  sehr  scheu,  scheint  sich  aber 
durch  fleißigen  Ackerbau  auszuzeichnen.  Ihre  Feldarbeit  gestaltet  sich 
dadurch  sehr  mühsam,  daß  sie  ihre  Farmen  in  der  Ebene  anlegen  und 
deswegen  täglich  an  den  steilen  Bergabhängen  auf-  und  abklettern  müssen. 

Tanyigh e  ist  auf  einem  Ausläufer  desselben  Bergzuges  gelegen. 

Siavi  und  Klewe  sind  die  nächsten  Nachbarn  der  Höer,  die  am 
nördlichen  Abhang  des  Tavieweherge^  ihre  Städte  erbaut  haben. 

n.  Siedlungsverhältnisse. 

Im  Blick    auf  die    Siedlungs Verhältnisse  werden  wohl  am  ge- 


Schmiede  im  Eweland  (zu  S.  41). 


eignetsten  Siedlungs-Gebiet,  -Form  und  -Weise  unterschieden.  Wer 
das  Eibe\3in.(\  öfter  zu  bereisen  Gelegenheit  hatte,  ist  sich  darüber  klar  ge- 
worden, daß  sich  die  meisten  Ansiedlungen  an  der  Küste,  am  Süd-  und 
Nordraud  der  Ebene,  an  den  Flußufern  und  am  Fuß  der  Berge  befinden. 
Dabei  ist  zu  bemerken,  daß  in  der  Ebene  die  Dichtigkeit  der  Bevölkerung 
von  West  nach  Ost  zunimmt.  Im  Küstengebiet  wohnen  zwischen  Volta  und 
Mono  rund  fünfzig  größere  und  kleinere  Stammesfamilien.  Soweit  dieselben 
Zugang  zum  Meer  und  zu  den  Lagunen  haben,  sind  sie  fleißige  Fischer, 
die  die  gefangenen  Fische  in  getrocknetem  Zustand  auf  den  Märkten  des 
Hinterlandes  verkaufen.  Günstige  Existenzbedingungen  waren  auch  in  der 
Kähe   der  Flüsse  gegeben,    wo  nicht  nur  fi-uchtbarer  Boden,    sondern  auch 


Die  Landschaften  und  Siedlungsverhältnisse  der  Eiveer. 


43 


die  Möglichkeit  verlockend  war,  sich  aus  dem  Flusse  stets  mit  frischem 
Fleisch  zu  versorgen. 

In  der  Mitte  der  Ebene  wohnen  von  Südwesten  nach  Nordosten  etwa 
siebzehn  Stämme,  die  ausschließlich  Berge  (Adaklu  und  Agti)  und  Flußufer 
als  Wohnsitze  erwählt  haben.  Am  Nordrand  der  Ebene  leben  achtundzwanzig 
Stämme,  in  den  Bergen  acht  und  in  der  Däyieh^nQ  neunzehn. 

In  Beziehung  auf  Siedlungs formen  unterscheidet  die  Sprache 
Städte  (Dörfer),  Weiler  und  Höfe.  An  der  Küste  sind  die  größeren 
Städte  mit  europäischer  Anlage  hauptsächlich  dem  regen  Handelsverkehr 
zu  verdanken.     In  ihrem  Umkreis  gibt  es  volkreiche  Dörfer  mit  engen  und 


Marktbesucher  in  Laudesböten  am  Lagunenufer  (zu  S.  42). 


unregelmäßig  angelegten  Gassen,  die  auf  freie  Plätze  führen,  auf  denen 
gewöhnlich  ein  Schattenbaum  oder  etliche  Palmen  stehen.  Hier  tummeln 
sich  bei  Tage  die  Kinder  und  führen  die  Erwachsenen  in  den  Nachtstunden 
ihre  Spiele  auf.  In  den  holzarmen  Gebieten  der  Küste  wird  als  Baumaterial 
hauptsächlich  gestampfte  Erde  für  die  Mauern  verwendet.  Das  Holzwerk 
besteht  «aus  gespaltenen  Fächerpalmen,  und  die  Dächer  werden  mit  Gras 
und  Schilf  bedeckt,  das  an  den  Ufern  der  Lagune  wächst.  Einem  Fremden 
fällt  in  den  Küstenstädten  die  eigenartige  Mischung  von  Winkel-  und  spitz- 
zulaufenden Dächern  auf.  Die  ersteren  haben  steile  Flächen  und  sind 
zuweilen    an    den  Enden  der  Firstlinie  abgewalmt.     Auffallend  ist,  daß  das 

4* 


u 


Zweites  Kapitel. 


einer  Frau    gehörige  Haus    stets    ein   kegelförmiges,   das  Haus  des  Mannes 
dagegen  immer  ein  Winkeldach  hat. 

Die  Städte  der  nördlichen  Teile  des  ^'w'elandes  unter- 
scheiden sich  von  denen  der  Küste  nach  verschiedenen  Seiten  hin.  Die 
Häuser  gruppieren  sich  gewöhnlich  um  eine  breite  Dorfstraße,  in  deren 
Mitte  große  Schattenbäume  stehen.  Es  sind  das  die  Unterhaltungs-,  Rats- 
und Spielplätze  der  Dorfbevölkerung.  Die  Mauern  werden  dadurch  her- 
gestellt, daß  Stangen  in  die  Erde  gestoßen,  Palmäste  der  Länge  nach  an 
dieselben    gebunden    und    diese    dann    mit    Lehm    beworfen    werden.      Die 


Einblick  in  eiu  Gehöft  (zu  S.  43). 
Die  Frau  mit  Zuriisten  zum  Kochen  beschäftigt,  von  Schafen  und  Enten  umgeben. 


Dachform  ist  ausschließlich  die  des  \A'inkeldaches.  Die  Zahl  der  Hütten 
eines  Gehöftes  ist  bedingt  durch  die  Anzahl  der  Frauen,  die  der  Eigen- 
tümer besitzt.  In  den  fremdsprachlichen  Gebieten  Sandrokoß  und  Akpafit 
sind  nur  die  Reisbehälter  mit  Gras,  die  flachen  Dächer  der  Wohnhäuser 
dagegen  mit  festgestampfter  Erde   bedeckt. 

Schon  wenige  Kilometer  hinter  dem  Küstengebiet  beginnen  die  vielen 
kleinen  Weiler,  die  durch  zahllose  Fußpfade,  aufweichen  sich  ein  Fremder 
nicht  mehr  zurechtfindet,  untereinander  verbunden  sind.  Es  sind  das 
Planta  "endo  rfer   von  drei  bis  acht  Hütten,   auf  denen  die  Bauern  das 


Die  Landschaften  und  Siedlungsverhältnisse  der  Eiveer. 


45 


umliegende  Land  in  Kultur  nehmen.  In  früheren  Jahren  waren  diese  Weiler 
von  den  Inlandbewohnern  deshalb  gefürchtet,  weil  sie  sich  hie  und  da  in 
diesem  Netz  von  Pfaden  verirrten,  dann  von  den  Bewohnern  gefangen  und 
erst  gegen  hohes  Lösegeld  freigegeben  oder  aber  verkauft  wurden. 

Im  Innern  errichtet  der  Bauer  auf  seinem  Acker  gewöhnlich  nur  eine 
einfache  Schutzhütte,  welche  meistens  durch  zusammengesteckte  Äste 
der  ölpalme  nach  außen  abgeschlossen  wird.  Hier  kocht  der  Bauer  sein 
einfaches  Mittagsmahl,  legt  sich  über  die  heißen  Mittagsstunden  schlafen, 
brinst  auch  zuweilen  Tage  und  Wochen  lans  die  Nächte  darin  zu.     Solche 


^  IM-|    lV   C      J^ 


^.^■u^^y^  " '  ^'  i  i, J^!5i;,,j£S^ii^ 


Der  Ratsplatz  iu  Akpafu  (zu  S.  44). 


Höfe,  aghletawo,  stehen  immer  nur  solange,  als  das  umliegende  Land  unter 
Kultur  genommen  ist.  Außer  ihnen  gibt  es  auch  Einzelhöfe,  die  ihr  Dasein 
nicht  der  Kultur,  sondern  einem  in  der  Stadt  ausgebrochenen  Streite  ver- 
danken. Manche  Familien  entziehen  sich  gehässigen  Angriffen  häufig  da- 
durch, daß  sie  sich  auf  ihr  Familienland  zurückziehen  und  dort  einige 
Hütten  errichten,  in  denen  sie  im  Frieden  leben  können. 

In  engem  Zusammenhang  damit  steht  die  Art  und  Weise,  wie  die 
Besiedlung  des  Landes  vor  sich  gegangen  ist.  Als  die  Stämme 
allmählich  ihre  festen  Wohnsitze  eingenommen  hatten,  zweigten  sich  immer 
wieder    einzelne    Familienteile,    sei    es    veranlaßt    durch    Streitigkeiten   und 


46 


Zweites  Kapitel. 


Krieg  oder  durch  mangelnde  Existenzbedingungen,  von  ihnen  ab.  Der 
Grundstock  des  Ädaklusta.mmes  z.  B.,  der  sich  am  Fuß  des  Berges  nieder- 
gelassen hatte,  bevölkerte  allmählich  einen  großen  Teil  der  südhch  davon 
sich    ausbreitenden   Ebene.     Dazu    kam    immer   wieder   von    Zeit   zu  Zeit 


Ein  Plantag^endorf  in  Tolo  (zu  S.  44). 


neuer  Zuzug  aus  dem  Westen,  wie  z.  B.  Äneho,  Agotime  und  Avatime  das 
beweisen.  Jedenfalls  bestand  die  Siedlungsgeschichte  des  ^^ü^landes  Jahr- 
hunderte hindurch  in  nichts  anderem  als  in  einem  Kommen,  Landbesetzen 
uud  Wiederverlassen,  Streiten  und  Kriegen  solange,  bis  ein  Stärkerer  über 
sie  kam. 


Drittes  Kapitel. 


Das  Volk  der  Eweer. 

I.   Die  geschichtliche  Vergangenheit. 

Die  ältesten  geschichtlichen  Erinnerungen  des  £'i^gvolkes  sind 
sagenhafter  Natur  und  verdienen  nur  in  sofern  Beachtung,  als  die  Aus- 
sagen der  verschiedenen  Stämme  miteinander  übereinstimmen.  Aber  auch 
unter  dieser  Voraussetzung"  ist  den  Vermutungen,  wie  es  gewesen  sein  könnte, 
noch  viel  Raum  gegeben. 

Die  Erzählungen  stimmen  darin  überein,  daß  das  Volk  der  JSiveev  in 
seinen  heutigen  Wohnsitzen  keine  Urbevölkerung,  sondern  vor  langer  Zeit 
aus  dem  Nordosten  eingewandert  ist.  Die  meisten  suchen  ihre  gemeinsame 
Heimat  im  Niger  bogen,  wo  sie  in  stark  befestigten  Städten  gewohnt 
haben.  An  die  nicht  mehr  kontrollierbaren  Namen  Ketu,  Ayo  und  Adadam 
knüpfen  die  Erzähler  die  Vermutung,  daß  dort  der  Entstehungsplatz  der 
Menschen  gewesen  sei. 

Von  ihrem  Ursitz  Ketu  wanderten  ursprünglich  zwei  zahlreiche 
Sippen  aus;  die  eine  zog  nach  Südwesten  und  teilte  sich  in  die  Gebiete 
Tado  am  Mono  und  JSfqtsie  zwischen  dem  HaJw  und  Zio,  die  andere  nahm 
ihren  Weg  nach  Westen  und  ließ  sich  in  der  Gegend  des  heutigen  Adele 
nieder,  wo  sie  ihren  Sitz  Doghonyigho  nannte.  Wie  lange  ihr  Aufenthalt 
dort  dauerte,  läßt  sich  nicht  mehr  feststellen.  Die  zu  Doghonyigho  ge- 
hörigen Stämme  sollen  Aiilo,  Be  und  Fö  gewesen  sein.  Der  unter  ihnen 
ausgebrochenen  Streitigkeiten  wegen  trennte  sich  Fö  von  ihnen,  zog  nach 
Süden  und  gründete  Wla  in  Dahorne.  Aber  auch  die  andern  machten  sich 
auf  die  Reise  und  suchten  ihre  Bruderstämme  in  JSfotsie  auf.  Lange  Zeit 
scheinen  sie  mit  ihnen  zusammen  gewohnt  und  sich  unter  dem  Regiment 
guter  Könige  glücklich  gefühlt  zu  haben.  Durch  eine  Verheiratung  des 
Königs  Asimadi  aus  Tado  mit  einer  Schwester  eines  Häuptlings  der 
Doghonyighoer,  namens,  Wenya  kam  es  zu  Thr o  n str eitigkei te n ,  die 
damit  endeten,  daß  der  dieser  Ehe  entsprossene  Sohn  Sri  König  der 
Dogbonyighoer  wurde.  Das  erweckte  den  Neid  des  Notsiekönigs  Agokoli, 
der    sich    allmählich   zu  grausamer  Verfoleuns;swut  steigerte.     Derselbe  ließ 


48  Drittes  Kapitel. 


-^1 


z.  B.  seine  Häuptlinge,  die  ihm  nicht  zu  Willen  waren,  töten,  und  nur  ein 
einziger  entkam  dem  Blutbad.  Später  ließ  er  seinen  Untertanen  Dornen 
in  den  Lehm  werfen  und  zwang  sie,  denselben  zu  treten.  Dazu  kam  noch, 
daß  die  stark  sich  vermehrende  Bevölkerung  sich  gegenseitig  das  Leben 
schwer  machte.  Diese  Umstände  führten  schließlich  zu  einer  Trennung, 
die  aber  nicht  durch  einen  offenen  Bruch,  sondern  durch  List  bewerkstelligt 
wurde.  Die  Frauen  hatten  Befehl  erhalten,  alles  Wasser,  das  sie  ausgießen, 
an  die  dicken  Erdmauern  der  Stadt  zu  schütten,  damit  dieselben  aufweichen 
und  dann  umgeworfen  werden  könnten.  Im  bestimmten  Augenblick  wurde 
die  Mauer  mit  einem  Dolch  untergraben,  dann  hielt  ein  Häuptling  den 
Dolch  in  die  Höhe  und  betete:  „Gott,  öffne  uns  das  Tor,  damit  wir  hinaus- 
gehen können!"  Andere  stemmten  sich  mit  aller  Macht  gegen  die  Mauern 
und  warfen  sie  um.  Unter  Vorantritt  der  Frauen  und  Kinder  setzte  sich 
der  Zug  in  Bewegung;  die  DoghonyighoQY  nahmen  ihren  Weg  nach  Süden 
an  das  Meer,  während  die  andern  in  der  Richtung  nach  Westen  wanderten, 
wo  sich  die  einen  die  Gebiete  an  den  Bergen  und  in  der  Däyiehene^  die 
andern  aber  den  Nordrand  der  Ebene,  Aclaklu  und  die  Voltagebiete,  als 
Wohnsitze  erwählten. 

Die  Küstenstämme  hatten  in  der  Folgezeit  Kriege  mit  Daliome 
und  Gmyi,  Ada  und  Agave,  deren  schließliche  Folge  die  Errichtung  des 
Forts  in  Keta  durch  die  Dänen  war.  Die  Inland  stamme  dagegen 
mußten  den  Akwamuevn  in  ihren  Sklavenkriegen  Heerfolge  leisten.  Diese 
Stellung  empfanden  sie  nach  und  nach  aber  als  unerträgliche  Last,  die  sie 
unter  der  Führung  des  Königs  Kwadzo  De  von  Pekl  in  den  Jahren  1828 
bis  1833  in  einem  siegreichen  Krieg  abschüttelten.  Die  letzten  Nach- 
wirkungen jener  alten  Kriege  bestanden  im  Asante)^vieg  1869 — 73,  in 
dem  die  AnloQX  an  der  Seite  der  Asanteev  gegen  ihre  eigenen  Stammes- 
brüder kämpften.  Wenn  auch  jener  Krieg  für  die  Eweev  ungünstig  ausfiel, 
so  hatte  er  doch  zur  Folge,  daß  sie  sich  ihrer  gemeinsamen  Aufgaben  bewußt 
wurden,  die,  wenn  auch  langsam,  zu  einer  allmählichen  Einigung  führten. 
Den  europäischen  Regierungen  aber  war  es  vorbehalten,  däe  Eihe- 
stämme  ganz  zur  Ruhe  zu  bringen  und  sie  füi*  die  friedliche  Entwicklung 
des  Landes  unter  Mithilfe  der  Mission  zu  erziehen. 


II.  Die  Kultur. 

A.  Die  materielle  Kultur. 

Aus  dem  bisher  schon  Mitgeteilten  ist  zu  ersehen,  daß  die  JEweer  in 
Ackerbau,  Viehzucht  und  Handwerk  zwar  eine  gewisse  Kulturhöhe  erreicht 
haben,  dann  aber  auf  einem  Punkte  stehen  geblieben  sind.  Die  Hacke  und 
der  Webstuhl    von    heute  sind  noch  ganz    ebenso  wie  vor  hundert  Jahren. 

1.  Der  Ackerbau. 

Es  ist  ein  entschiedener  Vorzug  des  ^w'evolkes,  daß  der  Ackerbau 
überall  in  großem  Ansehen  steht.  Als  Beweis  dafür  darf  nicht  nur  die 
saubere  Bestellung  der  Felder,  sondern  auch  die  Tatsache  angesehen  werden, 


Yanisg-i'aben  (zu  S.  50). 


50  Drittes  Kapitel. 

daß  sich  an  der  Feldarbeit  im  Innern  Männer  und  Frauen  gleichmäßig 
beteiligen.  Die  Männer  besorgen  die  schwereren  Geschäfte,  wie  z.  B.  das 
Stangenstoßen  zum  Yams.  Auf  jeden  Beobachter  wird  es  einen  angenehmen 
Eindruck  machen,  zu  sehen,  wie  im  Frühjahr  der  Mann  zusammen  mit 
Frauen  und  Kindern  das  Land  urbar  machen,  wie  sie  miteinander  den 
Yams  pflanzen  und  endlich  auch  bei  der  Ernte  zusammen  helfen. 

Auffallend  ist  es,  daß  in  den  urgeschichtlichen  Erinnerungen 
der  Eiheer  nie  der  Mais  und  Y^ams,  sondern  immer  nur  die  Bohnen 
genannt  werden.  Den  Namen  ayighe  z.  B.,  mit  dem  die  Geev  die  Eiheer 
benennen,  führt  die  Volksetymologie  von  der  Küste  an  bis  zur  Nord- 
grenze des  Ewegehiets  darauf  zurück,  daß  sie  einst  auf  ihrer  Wanderung 
von  ihrer  Urheimat  her  Bohnenäcker  angelegt  und  auf  deren  Ernte  gewartet 
haben.  Inzwischen  seien  die  Geer  weitergezogen;  sie  selbst  aber  haben 
sich  teilweise  dauernd  dort  niedergelassen.  Damit  stimmt  die  Erzählung 
der  Hoer  überein,  daß  sie  in  Notsie  noch  keinen  Mais  gehabt,  sondern 
ihn  erst  später  von  den  Europäern  bekommen  haben.  Auch  der  Yams 
wurde  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  erst  später  entdeckt.  Die  Yamsart 
Mo  z.  B.  findet  man  noch  heute  wild  in  den  Wäldern,  wo  er  erst  in  den 
schlimmen  Zeiten  des  ^sa«^ekrieges  gefunden  wurde.  —  Unter  den  Trank- 
opfern der  ältesten  Götter  wird  immer  nur  liha,  „Kornbier",  erwähnt. 
Bei  Korn  ist  wahrscheinlich  an  Hirse  oder  Reis  zu  denken,  den  die  Ädakluev 
noch  lange  nach  ihrer  Einwanderung  am  Adaklu  gepflanzt  haben  wollen. 

2.  Die  Viehzucht. 

An  der  Küste  besitzen  einzelne  Leute  große  Rindviehherden, 
die  teils  mit,  teils  ohne  Hirten  hinter  den  Lagunen  weiden.  Etwas  weiter 
im  Inland  treiben  die  Bauern  nur  noch  Kleinviehzucht;  auch 
Geflügelzucht  ist  im  ganzen  Lande  zu  finden.  Über  den  Umfang  und  den 
Erfolg,  mit  dem  die  Eingebornen  dieser  Beschäftigung  oblagen,  kann  man 
sich  daraus  ein  Bild  machen,  daß  in  früheren  Jahren,  teilweise  auch  jetzt 
noch,  viele  Schifl'e  in  Keta  Geflügel  und  Rindvieh  einkauften.  Merkwürdig 
ist,  daß  die  ältesten  Opferberichte  im  Innern  nur  von  Ziegen, 
an  der  Küste  nur  von  Rindvieh  erzälilen.  Das  Schaf  scheint  also 
entweder  noch  nicht  bekannt  gewesen  oder  jedenfaUs  für  die  Erden- 
götter nicht  als  Opfertier  verwendet  worden  zu  sein.  Erst  in  den  neueren 
Kultushandlungen  der  Erdengötter  taucht  das  Schaf  als  Opfertier  auf.  — 
Der  Hund  scheint  unter  den  Eweern  seit  den  ältesten  Zeiten  als  Haustier 
bekannt  gewesen  zu  sein.  Er  wird  wenigstens  öfter  als  dasjenige  Tier 
genannt,  welches  sich  schon  in  der  Umgebung  der  präexistenten  Menschen 
befindet. 

3.  Das  Handwerk. 

Das  Handwerk  verteilte  sich  in  den  ältesten  Zeiten  auf  einzelne 
Familien,  wie  das  die  Geschichte  von  Matse  in  lehrreicher  Weise 
zeigt.  Dort  hatte  jeder  Stadtteil  seinen  besonderen  Beruf:  die  einen  waren 
Schmiede,  andere  Jäger  und  noch  andere  Ackerleute.  Die  Mattenflechterei 
scheint    ein   verhältnismäßig    neuer  Berufszweig  zu  sein.     Es  läßt  sich  also 


Das  Volk  der  Eiveev. 


51 


nicht  anders  annehmen,  als  daß  sie  sich  dort  wie  in  die  Arbeit  so  auch 
in  den  Ertrag  derselben  familienweise  geteilt  haben.  Die  Schmiedekunst 
als  ein  Berufszweig,  der  es  vornehmlich  mit  dem  Feuer  zu  tun  hat,  führt 
ihr  Dasein  wahrscheinlich  auf  den  Gott  Soghle  zurück,  der  der  Schmied 
Gottes  ist  und  die  Donnerkeile  schmiedet,  die  er  im  Blitz  auf  die  Erde 
schleudert.  Daß  auch  die  Weberei  unter  den  Eweevn  schon  seit  sehr 
langer  Zeit  bekannt  sein  muß,  darf  man  wohl  daraus  schließen,  daß  sie 
durch  Jäger  eingeführt  worden  sei,  die  sie  von  Himmelsbewohnern  erlernt 
haben  sollen. 


Weber  am  Webstuhl. 

1.  agbatroti,  Nagel  zum  Drehen  des  Stabes,  kubleti,  über  den  sich  der  Weber  bengt.  So  oft 
dieser  Stab  gedreht  wird,  bewegt  sich  agba,  Nr.  9,  näher  gegen  den  Webstuhl  her.  2.  wu, 
Schiff.  3.  age.  4.  no.  5.  hevi,  Vogel.  6.  Zettel.  7.  Ein  Landeskissen,  aus  einheimischem 
Gewebe  zusammengenäht.  8.  Ein  Mann,  auf  der  Matte  hockend,  der  die  vor  ihm  liegenden, 
gewebten  Streifen  zu  einem  Kleide  zusammennäht.  Im  Hintergrunde  stehen  zwei  Männer, 
an  denen  zu  sehen  ist,    wie  sie   bei  kühler  Witterung    oder  morgens  ihren  Körper  bedecken. 


B.  Die  geistige  Kultur. 
1.  Die  Sprache. 

Angesichts  der  Tatsache,  daß  das  EihevoVs.  keine  eigene  Sclirift  hat 
und  weder  lesen  noch  schreiben  kann,  würde  kaum  jemand  erwarten,  das 
die  Sprache  für  einzelne  Eiheev  Kulturgegenstand  wäre.  Daß  daß 
aber  doch  der  Fall  ist,  geht  daraus  hervor,  daß,  wenn  der  Sprecher  in 
Änlo    früher  in  einer   öffentlichen  Rede  einen  Satzartikel  an  falscher  Stelle 


52  Drittes  Kapitel. 


1 


brauchte ,  dadurch  das  sprachliche  Schönheitsgefühl  seiner  Zuhörer  so 
beleidigt  ward,  daß  sie  ihm  ihren  Unwillen  darüber  zu  verstehen  gaben. 
Überhaupt  soll  der  Sprecher  alles  gewandt  und  formvollendet  vortragen, 
wozu  namentlich  auch  die  Wahl  geeigneter  Beispiele  gehört,  mit  denen  er 
den   Gedanken  zu  beleuchten  versteht. 

In  der  Einleitung  zu  seinem  Wörterbuch  der  £'tt'esprache  hat  sich 
Missionar  Westermann  in  klarer  und  umfassender  Weise  über  die  Ewe- 
spi'ache  geäußert.  Hier  soll  deswegen  nur  noch  auf  den  Kulturwert 
der  Sprache  aufmerksam  gemacht  werden.  In  früheren  Jahren  konnte 
man  manchmal  die  Klage  über  Wort-  und  Begriffsarmut  in  der  ^'it-gsprache 
hören.  Westermanns  Wörterbuch,  das  20000  ^tt'^wörter  erklärt, 
ist  wohl  eine  glänzende  Widerlegung  jenes  Vorwurfs;  denn  es  zeigt,  daß 
die  sprachliche  Armut  nicht  notwendig  im  Objekt  liegen  muß,  sondern  daß 
sie  auch  im  Subjekt  liegen  kann.  Westermann  macht  auf  den  großen 
Reichtum  der  jE'ii'esprach  e  an  Adjektiven  und  Adverbien  aufmerksam, 
die  jede  Eigenschaft  oder  Tätigkeit  aufs  genaueste  beschreiben,  wo  wir 
uns  mit  einem  „sehr",  „außerordentlich",  „ungeheuer",  „furchtbar"  begnügen 
müssen.  Er  weist  ferner  auf  die  Begriffswandlungen,  welche  durch  Ver- 
doppelung eines  Wortes  entstehen,  hin  und  weist  nach,  wie  es  von  der 
verdoppelten  Form  eine  hochtonige  und  eine  tieftonige,  eine  für  kleinere 
und  eine  für  größere  Gegenstände  gibt.  Er  gibt  uns  damit  einen  Einblick 
in  „die  reichen  Mittel,  welche  sich  die  Sprache  zur  Darstellung  des  sinnlich 
Wahrnehmbaren  geschaffen  hat".  Vermöge  dieser  Eigenschaften  besitzt  die 
Sprache  auch  die  Fähigkeit,  Gegenstände,  welche  die  Eingebornen  nicht 
selbst  erzeugt,  also  auch  bisher  nicht  gesehen  hatten,  mit  charakteristischen 
Namen  zu  benennen.  Es  geschieht  das  entweder  durch  vollständige  Neu- 
bildung eines  Wortes  oder  aber  durch  Übertragung  eines  Begriffes, 
der  nach  ihrer  Auffassung  Ähnlichkeiten  mit  dem  neu  zu  benennenden 
Gegenstande  hat.  Der  Eiheer  braucht  z.  B.  keine  Schuhe,  hat  auch  keine 
Brille,  keine  Uhr,  kein  Faß,  keinen  Nagel  und  keine  Säge,  und  doch  hat 
er  für  diese  sinnlich  wahrnehmbaren  Sachen  durch  Zusammensetzung  seiner 
ihm  zur  Verfügung  stehenden  sprachlichen  Mittel  oder  durch  Schallnach- 
ahmung ganz  gute  Worte  gebildet.  In  dem  Schuh  sah  er  „den  Schild 
des  Fußes",  in  der  Brille  „das  eiserne  Auge",  in  der  Uhr  „ein  Eisen, 
das  sich  selber  schlägt",  im  Faß  erblickte  er  eine  Ähnlichkeit  mit  seinem 
Kürbis  go  und  nannte  es  deshalb  „Holzkürbis",  in  dem  Nagel  ein  „Eisen 
mit  flachem  Kopf",  und  die  Säge  benannte  er  mit  dem  Schall  lahalaha, 
den  sie  erzeugt.  Die  Sprache  wird  also  durch  die  neuen,  nach  dem  Ethe- 
land  kommenden  Kulturgegenstände  in  einer  dem  Volksgeist  entsprechenden 
AVeise  bereichert.  Auch  mit  der  Bezeichnung  von  Handlungen,  die  dem 
Eweer  bisher  unbekannt  waren,  schlägt  er  einen  ähnlichen  Weg  ein.  Nur 
zwei  Beispiele  sollen  das  erläutern.  Es  wurde  schon  darauf  hingewiesen, 
daß  die  Eweer  Illiteraten  sind.  Als  solche  konnten  sie  nicht  schreiben 
und  nicht  lesen,  und  doch  fanden  sie  für  beide  Vorgänge,  sobald  sie  ihnen 
vors  Gesicht  traten ,  treffliche  Ausdrücke.  In  der  Handbewegung  des 
Schreibers  sahen  sie  einen  ähnlichen  Vorgang,  wie  sie  ihn  beim  Hacken 
ihrer  Äcker,  beim  Kritzeln  und  Schnitzen  ihrer  Kalebassen  hatten  und 
nannten  es  deswegen  nlo  aghale,  „das  Papier  bekritzeln".     Ähnlich  verhält 


Das  Volk  der  Eweer. 


53 


es  sich  mit  dem  Lesen.  Dieses  erinnerte  sie  an  ihr  „Zählen",  hie  nu,  und 
„Erzählen",  hie  nya,  weshalb  sie  es  hie  aghale,  „im  Buch  (oder  die  Buch- 
staben) zählen"  nannten.  Wenn  Westermann  mit  Recht  darauf  aufmerksam 
macht,  daß  diese  überreiche  Fruchtbarkeit  der  Sprache  versage,  sobald 
es  sich  darum  handle.  Geistiges  darin  auszudrücken,  so  darf  doch  auch 
andererseits  darauf  hingewiesen  werden,  daß  das  religiöse  und  mythologische 
Denken  der  Eweer  selbst  schon  eine  ganze  Menge  Wörter  gebildet  hat, 
in  die  wir  nur  geistigen  Inhalt  hineinzulegen  brauchen,  die  also  jederzeit 
als    brauchbare  Gefäße    für    die  Geisteskultur   bereit    stehen.     Ich  erinnere 


1  2         .3  4  .5  6  7 

König-  Deg-badzo  Ton  Ho  mit  seinen  Insig-nien  (zu  S.  54). 

1.  Sprecherstab  und  Schwert.  —  2.  u.  3.  Schirm,  König  und  Stuhl  mit  Polster 

und  Glocke.  —  4.  u.  5.  Trommeln  mit  Kriegstrompete  darauf.  —  6.  Tragkorb. 

7.  Trommel  mit  Pferdeschwäuzen  geschmückt.] 


z.  B.  nur  an  die  Begriffe  ghogho,  „Atem,  Hauch"  für  Geist,  linco,  „Schatten" 
für  Seele,  kekeli,  „Licht"  und  viele  andere.  Freilich  hat  auch  die  religiöse 
Sprache  manche  Ausdrücke,  die  sich  des  unzertrennlich  damit  verbundenen 
heidnischen  Begriffes  wegen  nicht  verwenden  lassen. 

Eine  so  reiche  und  bereicherungsfähige  Sprache  eignet  sich  auch  in 
hohem  Maße  als  Kultur-  und  Handelssprache,  und  es  wäre  das 
größte  Unrecht,  was  Europa  jenen  Völkerstämmen  antun 
könnte,  wenn  es  ihnen  ihr  wertvollstes  mütterliches  Erbe 
durch  europäische  Sprachen  verdrängen  oder  auch  nur 
schmälern    würde.     WoUcn    wir    dem   Eiheer   seine    für    uns    Europäer 


54 


Drittes  Kapitel. 


werjtvolle  geistige  Eigenart  erhalten,  so  müssen  wir  auch  allen  Ernstes 
dafür  sorgen,  daß  ihm  seine  Sprache  erhalten  bleibt,  und  daß  die  heran- 
wachsende Jugend  jenes  Landes  einen  offenen  Blick  für  die  Schönheit  und 
den  Wert  ihrer  Muttersprache  bekommt. 

Diese  Wertschätzung  und  originelle  Anwendung  seiner  Sprache  geht 
ihm  bei  einer  zu  starken  Betonung  der  europäischen  Sprachen  allmählich 
verloren.  Die  europäische  Sprache  aber  paßt  für  minderbegabte  Eweer 
ebensowenig  als  die  ihnen  nicht  auf  den  Leib  zugeschnittene  europäische 
Kleidung. 


2.  Die  Kunst. 

Es  ist  eine  bekannte  Tatsache,  daß  die  Eweer  die  Musik  liebhaben. 
Wenn  aber  der  dortige  Musikliebhaber  sein  Saiteninstrument  bearbeitet, 
und    der   Hornbläser    seinem    Elefanten-    oder    Antilopenhorn    merkwürdige 

Töne  entlockt,  so  ist  das  uns  Eu- 
ropäern nicht  nach  unserem  Ge- 
schmack. Aber  es  läßt  sich  nicht 
in  Abrede  stellen,  daß  bei  größeren 
Orchestern  eine  gewisse  Harmonie 
und  auch  Takt  herrschen.  Ihre  Musik 
will  unter  demselben  Gesichtspunkte 
aufgefaßt  werden  wie  das  Trom- 
meln, durch  welches  sie  reden.  Die 
Musik  ist  nur  ein  durch  musikalische 
Töne  zum  Ausdruck  gebrachtes 
Reden.  Für  Musik  und  Gesang 
lassen  sie  oft  Lehrmeister  von  aus- 
wärts gegen  gute  Bezahlung  kom- 
men. Die  Uoer  führen  Trommel 
und  Gesang  auch  ausdrücklich  auf 
den  Unterricht  zurück,  den  sie  von 
dient  den  Frauen  als  Gefäß  zur  Aufbewahrung  j^^  jr^iem  genoSSen  haben,  und 
ihrer  Schmucksachen.  n..      .  i  •        ^        r, 

tur  jene  lassen  sie  den  Gesang  aus 

dem  Meer  hervorgegangen  sein. 
Auch  in  der  Kunst  der  Malerei  und  der 
Plastik  versuchten  sich  die  Eweev  zu  allen  Zeiten. 
Schon  vor  25  Jahren  sah  ich  in  Peki  an  der  äußeren 
Wand  einer  Hütte  ein  Negergemälde,  das  einen  Jäger 
darstellte,  Avie  er  eben  auf  einen  Leoparden  schießt. 
Für  das  ziemlich  rohe  Bild  waren  nur  schwarze 
Farbe,  sowie  weißer,  roter  und  gelber  Ocker  ver- 
wendet. An  der  äußeren  Wand  eines  YeweMosters 
in  der  Ebene  war  das  Tun  und  Treiben  der  Kloster- 
insassen bildlich  dargestellt.  Das  Bild  nahm  eine 
ganze  Wand  ein.  Die  einzelnen  Gestalton  waren  roh 
und  das  Dargestellte  sittlich  niedrig.  Ihre  geschnitzten 


Geschnitzte  Kalebasse, 


Kalebassen    und    gebrannten    Holzteller,    sowie    ihre 


Lehmgötze,  mit  Kauri- 
muscheln  geschmückt,  in 
einer  Schüssel  hockend. 


Das  Volk  der  Eweer. 


55 


eigenartig  verzierten  Töpfe  bekunden  einen  gewissen  Formensinn,  an  dem 
selbst  das  europäische  Auge  Geschmack  findet.  Alte  Topfscherben,  die 
sich  auf  den  Bergen  in  Ruinen  menschlicher  Wohnungen  fanden,  hatten  Ver- 
zierungen, die,  bei  aller  Ähnlichkeit  mit  den  jetzigen,  doch  so  viel  zeigten, 
daß  auch  jene  alten  Geschlechter  einen  Formensinn  hatten,  der  von  der 
Jetztzeit  noch  nicht  übertroffen  ist. 

Die  Plastik  steht  hauptsächlich  im  Dienst  der  Religion  und  trägt 
im  ganzen  ein  noch  rohes  Gepräge.  Die  verschiedenen,  großen  und 
kleinen  aus  Lehm  und  Holz  geformten  Götzenbilder  sind  meistens  häßliche 
Gestalten,  sind  aber  kein  Beweis  dafür,  daß  die  Künstler  überhaupt  nichts 


Afrikauische  Töpferin. 


Besseres  hervorzubringen  fähig  wären ;  denn  diese  Gestalten  sind  dem  Bild 
ihrer  geistigen  Insassen  angepaßt.  Geschmackvoller  sind  die  Sinnbilder 
(Wappen)  einzelner  Städte  und  Stadtteile,  die  auf  den  Schirmen  ihrer 
Häuptlinge  stehen;  da  sind  z.  B.  das  Huhn  mit  seinen  Küchlein,  der  Ibis, 
die  Schlange,  der  Leopard  in  Holz  geschnitzt.  Bei  einem  Häuptling  in 
Agotime  sah  ich  die  geschichtliche  Darstellung  eines  Krieges  in  lauter  Holz- 
figuren. Das  alles  beweist,  daß  das  Gebiet  der  Kultur  gewisse  Kunst- 
ansätze hervorgebracht  hat,  die  nur  der  Vervollkommnung  warten.  Es 
wäre  schade,  wenn  der  jetzt  in  Blüte  stehende  Handel  alle  diese  Spuren 
idealen  Sinnes  wegschwemmen  würde  und  nichts  anderes  zurückließe,  als 
das  bloße  Jagen  nach  schnellem   Gewinn. 


56 


Drittes  Kapitel. 


III.  Die  Familie. 

1,  Die  Ehe. 

Wenn  in  Beziehung  auf  das  Zustandekommen  der  Ehe  immer  wieder 
die  Anschauung  auftaucht,  die  Frau  werde  gekauft,  so  steht  dieselbe 
nicht   in  Übereinstimmung    mit    den    Tatsachen.     In  jedem  Stamm    werden 


Eiu  Mädchen  im  Brautschmuck. 


an  den  Werber  gewisse  Forderungen  gestellt,  die  er  seinen  Schwieger- 
eltern oder  einem  anderen  Machthaber  des  Mädchens  leisten  muß.  Unter 
diesen  Forderungen  befindet  sich  vor  allem  Handarbeit ;  dazu  kommen 
dann  noch  eine  bestimmte  Höhe  Geldes  und  Geschenke  an  die  Braut, 
sowie  an  die  Familie  ihres  Vaters  und  ihrer  Mutter.  Hätte  nun  das  alles 
nur  die  Bedeutung  eines  Kaufes,  so  wären  Anforderungen  sittlicher  Natur, 
die    an    den    Bräutigam    und    dessen    Familie    gestellt    werden,    ganz    aus- 


Das  Volk  der  Eweev 


57 


geschlossen.  la  Wirklichkeit  hat  z.  B.  die  Redeweise :  „Wer  seine  Mutter 
gut  verpflegt,  wird  auch  die  Frau  gut  behandeln",  einen  tiefen  sittlichen 
Wert.  Auch  ließe  sich  bei  dem  Gedanken  des  Kaufs  das  sittliche  Ver- 
gehen mit  einem  Familienglied  der  Braut  nicht  als  Ehehindernis  denken, 
was  doch  tatsächlich  der  Fall  ist.  Ermahnungen  endhch  von  dem  sittlichen 
Ernste,    wie    sie  verständige  heidnische  Eltern  ihrer  zum  Manne  ziehenden 


Drei  kleine  Mädchen  in  Akpafu, 

nur  mit  Lendenband  bekleidet  (zu  S.  58). 


Tochter   mitgeben,    sind    nur  da  möglich,  wo    die  Basis  der  Ehe  nicht  nur 
rechtlicher,  sondern  auch  sittlicher  Natur  ist. 

Die  ursprünglichste,  unter  den  Eiheexn  theoretisch  anerkannte 
Form  ist  die  Einehe.  Der  Theorie  steht  aber  die  Praxis  gegenüber, 
daß  Häuptlinge  und  andere  begüterte  Männer  in  der  Vielehe  leben.  Die 
Erwägungen,  welche  einen  Mann  bestimmen,  zu  der  ersten  eine  zweite  oder 
dritte    Frau   zu   nehmen,    sind    gewöhnlich   auf  die    körperliche    oder 

5 


58  Drittes  Kapitel. 

geistige  Beschaffenheit  der  ersten  Frau,  auf  eigenartige  An- 
schauungen über  die  Menstruation  und  eudhch  auf  das  Verlangen  nach  einer 
möghchst  großen  Kinderschar  zurückzuführen.  Ist  in  Ho  die  zuerst  ge- 
heiratete Frau  etwa  kränklich  und  unfähig,  ihrem  Manne  bei  den  Feld- 
geschäften zu  helfen,  so  führt  das  gewöhnlich  zu  einer  zweiten  Heirat. 
Dasselbe  Ergebnis  haben  Streitsucht,  Faulheit  und  Diebsgelüste  der  ersten 
Frau.  Will  sie  nicht  ganz  auf  die  Seite  gesetzt  werden,  so  muß  sie  sich 
von  jetzt  ab  anstrengen,  sich  das  Wohlgefallen  ihres  Mannes  durch  Fleiß 
und  Wohlverhalten  zu  erwerben.  In  welchem  Maße  das  aber  erreicht  wird, 
zeigte  mir  vor  Jahren  ein  Erlebnis  in  der  Hütte  des  Häuptlings  von 
Amedzowe.  Der  alte  Dorfvater  war  damit  beschäftigt,  Mais  auf  seinem 
Herde  zu  rösten,  wobei  ihm  seine  beiden  Frauen  zuschauten.  Auf  meine 
Frage,  warum  ihm  denn  nicht  eine  seiner  Frauen  diese  Arbeit  besorge 
antwortete  er:  „Bea-uftrage  ich  diese  damit,  so  wird  jene  mir  böse,  und  bitte, 
ich  jene,  so  zürnt  mir  diese."  Ein  anderer  Beweggrund  liegt  darin,  daß 
dem  Inlandbewohner  der  monatliche  Blutabgang  der  Frau  ein  Greuel 
ist.  Die  Frauen  mancher  Häuptlinge,  Priester  und  Zauberer  haben  sich 
während  dieser  Tage  nur  in  ihrer  eigenen  Hütte  oder  gar  außerhalb  des 
Gehöftes  aufzuhalten,  und  müssen  es  strenge  vermeiden,  mit  Stuhl  oder  Matte 
ihres  Mannes  in  Berührung  zu  kommen.  An  der  Küste,  wo  diese  eigen- 
artigen Anschauungen  nicht  bestehen,  kommen  sie  natürlich  als  Grund  für 
die  Vielehe  in  Wegfall.  Umsomehr  ist  für  sie  —  aber  auch  für  alle  andern 
£'tt'<?stämme  —  das  Verlangen  nach  vielen  Kindern  ein  Beweg- 
grund zum  Eingehen  der  Vielehe.  Hat  eine  Frau  Jahre  nach  iln*er  Ver- 
heiratung noch  kein  Kind  bekommen,  so  ist  das  die  Wurzel  beständigen 
Streites.  Für  beide  Teile  ist  es  ein  täglicher  Schmerz,  wie  die  vielleicht 
jüngere  Nachbarin  schon  lange  mit  dem  Ehrennamen:  „Mutter  des  iTo^" 
oder  „der  ^6ra"  gerufen  wird,  während  man  sie  selbst  nur  mit  ihrem 
gewöhnlichen  Namen  nennut.  In  früheren  Jahren  hat  deswegen  mancher 
Mann  seiner  Frau  eine  Sklavin  als  Ersatz  für  das  vermißte  Kind  gekauft. 
Wie  wird  nun  aber  die  polygame  Ehe  von  den  Eingebornen 
selbst  beurteilt?  Schon  die  Anschauungen  über  die  eheliche  Beziehung 
des  Himmels  zur  Erde  weisen  auf  die  Einehe,  desgleichen  ihre  Anschauungen 
über  den  Menschen.  In  seiner  präexistenten  Daseinsweise  lebte  jeder 
Mann  mit  einer  einzigen  Frau  zusammen,  und  es  ist  für  den  Haus- 
frieden des  Mannes  im  Diesseits  von  größter  Wichtigkeit,  daß  er  hier 
diejenige  Frau  bekommt,  mit  der  er  schon  im  Jenseits  verbunden 
war.  Stillschweigend  nimmt  man  an,  daß  die  zuerst  geheiratete  Frau  des 
Mannes  auch  seine  präexistente  Frau  sei.  Nur  sie  ist  sein  rechtmäßiges, 
ihm  von  Gott  und  der  Geistermutter  gegebenes  Weib,  mit  der  allein  er  in 
Friede  und  Eintracht  leben  kann.  Hat  aber  die  Frau  einen  andern  Mann 
und  dieser  eine  andere  Frau,  so  greifen  der  Mann  oder  die  Frau  des 
Jenseits  fortgesetzt  störend  in  den  Hausfrieden  ein  und  müssen  deshalb 
durch  Opfer  und  Gaben  versöhnt  werden.  An  der  Küste  herrscht  zwar 
der  Jenseitsglaube  in  dieser  ausgeprägten  Form  nicht;  aber  der  Onkel 
mütterlicherseits  sorgt  seinem  Neffen  nur  für  die  erste  Frau;  die  Heirat 
einer  zweiten  und  dritten  ist  seine  eigene  Sache.  Aber  das  vernichtendste 
Urteil  der  Eingebornen  tritt  zuweilen  in  Streitigkeiten  zu  Tage,  in  welchen 


Das  Volk  der  Eweer. 


59 


etwa  ein  Monogamist  einem  in  der  Vielehe  lebenden  Nachbarn  zuruft:  „Ich 
habe  nur  eine  einzige  Frau  und  bin  kein  Wollüstling,  der  viele  Frauen  in 
seinem  Hause  aufspeichert!"  Daher  kommt  es  auch,  daß  eine  zweite  und 
dritte  Frau  dzidzqmi^  »Ding  der  Freude",  und  dekahpuinu,  „Sache  des  Jung-  ^ 
lings",  genannt  wird.  Gewöhnlich  sollen  Polygamisten  auch  wirtschaftlich  und 
sittlich  immer  tiefer  herunterkommen.  Im  Innern  wird  gesagt,  daß  die  ganze 
Ernte  eines  Polygamisten  von  seinen  Weibern  und  Kindern  verzehrt  Averde. 

2.  Die   Stellung   der   Frau. 
Die    Stellung    der    Frau,    welche    sie    im    öffentlichen  .und    häuslichen 


Frauen  beim  Zurichten  eines  Festmahls. 


Leben  einnimmt,  wird  öfter  als  eine  unwürdige  bezeichnet.  Es  muß  zu- 
gegeben werden,  daß  mit  der  früheren  Kriegführung  und  dem  Pfandwesen 
viele  das  weibliche  Geschlecht  entwürdigende  Gebräuche  verbunden  waren. 
Man  braucht  z.  B.  nur  daran  zu  erinnern,  daß  vor  alters  die  Werbung 
eines  Bundesgenossen  immer  mit  der  Auslieferung  eines  Mädchens  an  ihn 
verbunden  w^ar.  Ein  für  eine  Schuld  in  Pfandhaft  gegebenes  Mädchen 
mußte  immer  auch  solange  die  Frau  des  Gläubigers  sein,  bis  die  Schuld 
von  den  Ihrigen  zurückbezahlt  wurde. 

In    welch    unterwürfiger  Stellung    die    Männer    aber    zu    ihren    Frauen 
stehen,    geht    sehr    deutlich    aus    den   Mitteilungen    von   Kpenoe   hervor,    in 

5* 


60 


Drittes  Kapitel. 


denen  es  heißt:  „Bei  uns  beugen  sich  die  Männer  vor  ihren  Frauen  nur 
deswegen,  daß  sie  nicht  von  ihnen  verlassen  werden."  Ich  bin  selbst 
Augenzeuge  gewesen,  wie  in  Have  bei  Woche  und  in  dem  Dorf  Dzake  in 
Peki   sich   aUe  Frauen   des  Dorfes   miteinander   verbanden   und   auf  einen 


Frauenkönigin  von  Amedzowe. 


bestimmten  Tag  ihre  Männer  verließen.  Die  ^a^gfrauen  hatten  sich  dem 
König  von  Nyagho  bei  Avatime  und  die  von  Dzake  dem  König  Kioadzo  De 
von  Feld  geschenkt.  In  beiden  Fällen  wurden  die  Männer  bestraft  und 
dazu   verurteilt,    ihre  Frauen   zu   bitten    und    sie    nach  Haus    zu   begleiten. 


Das  Volk  der  Eweer. 


61 


Bekannt  ist,  daß  es  in  Avatime  eine  eigentliche  Frauenkönigin  gab,  welcher 
Frauenhäuptlinge  beigegeben  waren.  In  gewissen  Familienangelegenheiten 
konnten  die  Häuptlinge  ohne  Zustimmung  des  Weiberrates  keine  Beschlüsse 
durchführen. 


Das  Aditata-Spiel  (zu  S.  62 


© 

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©      © 

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1 

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2 

©      © 

3                          4 

B. 

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ö 

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6 

Noch  soll  hier  darauf  hingewiesen  sein,  daß  die  Beratung  der  Häupt- 
linge nach  einer  Gerichtssitzung  der  „Gang  zum  alten  Weib"  genannt  wird, 
und  daß  der  Sprecher  den  Urteilsspruch  mit  dem  Satze  einhitet:  „Das 
alte  Weib  sagt".  Das  zeigt,  daß  die  Frau  in  der  Familie  und  im  öffent- 
lichen Leben  in  großem  Ansehen  steht. 


62         '  Drittes  Kapitel. 

3.    Die   Kinder. 

In  den  Kindern  lebt  der  Vater  fort,  und  sie  allein  sorgen  ihm  für 
ein  ehrenvolles  Begräbnis,  bei  dem  viel  Pulver  verschossen  und  Yams  und 
Fleisch  verzehrt  wird.  Wohltuend  ist  die  Sorgfalt,  mit  der  in  manchen 
Stämmen  die  Kinder  zur  Arbeit  und  Sparsamkeit  erzogen  werden.  Der 
Mangel  des  Gehorsams  im  täglichen  Leben  ist  wohl  die  Hauptschwäche 
der  Kinder  der  JEweer.  Viele  sind  nur  da  gehorsam,  wo  ihnen  ein  un- 
mittelbarer Nutzen  in  Aussicht  steht.  Jedoch  ist  ein  gehorsames  Kind  all- 
gemein beliebt.  Wenn  nun  auch  fast  immer  die  Mütter  es  sind,  welche 
sich  über  den  Ungehorsam  ihrer  Kinder  beklagen,  so  werden  sie  doch 
gerade  im  Kotfall  von  ihren  Söhnen  mit  großer  Aufmerksamkeit 
behandelt.  Als  im  Äsantehvieg  ein  Teil  der  Eweev  vor  den  heranrückenden 
Asanteexn  auf  die  Avaümehevge  flohen,  trugen  die  Söhne  ihre  alten  und 
kranken  Mütter  in  Nothängematten  und  auf  dem  Rücken  die  steilen  Berg- 
abhänge hinauf.  —  Wenn  nun  auch  andererseits  die  Söhne  zuweilen  harte 
Worte  über  die  Sorglosigkeit  ihrer  Mütter  aussprechen,  so  betonen  sie 
andererseits  doch  wieder,  daß  sie  nur  ihrer  Mutter  Leben  und  Gesundheit 
verdanken.  Diese  habe  sie  gepflegt,  ernährt  und  auf  dem  Rücken  ge- 
tragen und  hätte  ihnen  in  ihrer  frühesten  Kindheit  schon  etwas  am  Leben 
tun  können,  wenn  sie  sie  nicht  lieb  gehabt  hätte. 


IV.  Die  Religion. 

In  Beziehung  auf  die  Religion  ist  zunächst  die  Tatsache  festzu- 
stellen, daß  die  Eweer  kein  Wort  dafür  haben.  Wohl  ha'ben  sie  susuwo 
oder  „Vorstellungen,  Gedanken"  über  das  Göttliche,  auch  besitzen  sie 
Ausdrücke  für  die  Betätigung  ihres  Verhältnisses  zum  Göttlichen ;  aber 
einen  dem  Begriff  „Religion"  entsprechenden  Ausdruck  hat  die  Sprache 
nicht.  Ihr  Verhältnis  zum  Göttlichen  bestimmen  die  JEweer  mit 
dem  Wort  ivo,  „macheu,  tun",  z.  B.  ivo  Maivu,  „das  tun,  was  Gott  fordert". 
Dieses  Tun  aber  wird  als  ein  Dienst,  subosubo,  aufgefaßt,  den  der  Sklave 
seinem  Herrn  erweist,  wobei  es  nicht  sowohl  auf  die  Gesinnung  ankommt, 
mit  welcher  der  Dienst  verrichtet  wird,  als  vielmehr  darauf,  daß  das  Ge- 
forderte getan  wird.  Daraus  ergeben  sich  für  die  Darstellung  der  Religion 
im  Sinne  der  Eweer  zwei  Gesichtspunkte,  nämlich  die  religiösen  Vor- 
stellungen und  der  Kultus.  Da  sich  nun  die  ganze  Religion  der 
Eweer  im  Avesentlichen  um  Götter,  Zauberei  und  Ahnenverehrung  dreht,  so 
sind  damit  auch  die  drei  Hauptpunkte  ihrer  Vorstellungen  gegeben. 


A.   Die   religiösen  Vorstellungen. 
1.   Die   Götter. 

Unter  den  Göttern  werden  unterschieden  Himmelsgötter  (dzimawuwo), 
Erdengötter  (anyimawuwo)  und  persönliche  Schutzgötter  (nunuwo). 


Das  Volk  der  Eweer.  63 

a.    Die   Himmelsgötter. 

Unter  den  Himmelsgöttern  steht  der  große  Gott  an  der  Spitze, 
den  die  Eiheev  im  Bilde  des  Himmels  erfaßt  zu  haben  scheinen.  Während 
nun  die  einen  im  sichtbaren  Himmel  Gott  anschauen,  so  scheinen  für  die 
Tieferdenkenden  die  Wolken,  das  Licht  und  das  Blau  des  Himmels  nur 
Schleier  und  Kleid  Gottes  zu  sein,  hinter  welchen  er  selbst  unsichtbar 
lebt.  Gott  ist  deshalb  für  sie  ein  Gott  der  Ferne  und  ein  verborgener 
Gott,  von  dem  man  niu^  soviel  weiß,  daß  er  einstens  die  Menschen  un- 
gehindert mit  sich  verkehren  ließ,  dann  aber  durch  Schuld  der  Menschen 
sich  in  unendliche  Fernen  zurückzog  und  dort  nach  Auffassung  der  einen 
in  einem  von  Feuer  umgebenen  Räume,  nach  andern  aber  in  einem  Hause 
wohnt,  das  in  einem  großen,  mit  Bananen  bepflanzten  Garten  steht.  Damit 
ist  der  Gedanke  bestätigt,  daß  Gott  vom  Himmel  getrennt  und  persönlich 
gedacht  wird. 

In  engster  Beziehung  zu  dem  großen  Gott  steht  das  Götterpaar 
Sogble  und  Sodza.  Die  Erscheinungsformen  beider  sind  Blitz  und 
Donner,  Sogble,  auch  Sotsu,  „der  männliche  So",  genannt,  ist  der  älteste 
Sohn  Gottes,  den  er  in  zündendem  Blitze  und  mächtigen  Donnerschlägen 
als  seinen  Boten  auf  die  Erde  schickt,  um  hier  seine  StrafurteUe  auszu- 
richten. Er  heißt  deshalb  auch  nughlela,  „Verderber".  Sodza,  auch  Sono, 
„weiblicher  So",  genannt,  offenbart  sich  in  dem  ruhigen  Leuchten  des 
Blitzes  und  dem  leise  nachrollenden  Donner.  Es  entspricht  ganz  der  weib- 
lichen Natur,  wenn  Sodza  bei  ihrem  erzürnten  Gemahl  Sogble  Fürbitte  für 
die  Menschen  einlegt;  wenn  dieser  nämlich  gewaltig  donnert  und  droht,  die 
Menschen,  welche  Gott  gemacht,  zu  zerschmettern,  so  ermahnt  sie  ihn: 
Halt  ein,  halt  ein!  Auch  die  übrige  Tätigkeit  der  beiden  Götter  ent- 
spricht dem  männlichen  und  weiblichen  Charakter.  Während  Sogble  den 
Krieger  aus  seinen  Gefahren  errettet,  bewacht  Sodza  Haus  und  Hof,  daß 
ihnen  nichts  Böses  zustoßen  kann;  und  während  der  erstere  den  jungen 
Mann  tüchtig  zur  Arbeit  macht,  so  ist  Sodza  als  Regenspender  die  Mutter 
des  Wachstums,  der  Feldgewächse. 

Zu  diesem  Götterpaare  gesellt  sich  noch  Soivlui,  der  Gott  der 
Kaurimuscheln  und  Diener  Gottes.  Er  verwandelt  seinen  Günstlingen  im 
Laufe  der  Nacht  Bohnen,  Korn  und  Erdnüsse,  welche  sie  in  Töpfen  auf- 
bewahrt hatten,  zu  lauter  Kaurimuscheln.  Seinem  Charakter  nach  wird  er 
als  Dieb  bezeichnet,  der  seine  Gaben  vorher  stehle,  ehe  er  sie  jemand  gebe. 

b.  Die  Erdengötter. 

Eine  zweite,  den  Menschen  viel  näherstehende  Götterklasse  sind  die 
anyimawuwo,  Erdengötter,  im  JS'ti^dande  auch  trdioo  und  bei  uns 
wohl  mit  Unrecht  Fetische  genannt.  Sie  haben  ihre  Wohnsitze 
auf  Bergen,  an  steilen  Felsabhängen,  in  Schluchten  und  Höhlen,  in  Bäumen, 
Quellen  und  Flüssen.  Ihre  Hauptaufgabe  besteht  in  der  Vermittlung  des 
Verkehrs  zwischen  den  Menschen  und  dem  fernen  Himmelsgott.  Vermöge 
ihrer  unsichtbaren  und  mehr  geistigen  Natur  können  sie  die  weiten  Räume 
zwischen  der  Erde  und  dem  Himmel  in    einem  Augenblick  durchmessen. 


64 


Drittes  Kapitel. 


Ihre  Botengänge  aber  lassen  sie  sich  von  ihren  Auftraggebern  teuer  bezahlen. 
Sie  sind  mit  der  übermenschlichen  Kraft  ausgerüstet,  über  die  Erde  Trocken- 
heit und  verheerende  Stürme  und  über  die  Menschen  Krankheiten  kommen 
zu  lassen,  auch  bestrafen  sie  diese  mit  plötzlichem  Tod.  Einzelne  Menschen 
und  Städte  führen  ihr  Leben  und  Wohlsein  auf  den  Einfluß  eines  Erden- 
gottes zurück  und  nennen  sich  deswegen  in  besonderem  Sinne  seine  Kinder. 
Eingeteilt  werden  sie  in  einheimische  und  ausländische  Götter.  Die 
Klasse  der  einheimischen  setzt  sich  zusammen  aus  den  ältesten,  sogen. 
Erbgötter u,  die  sie  bei  ihrer  Einwanderung  aus  ihrem  Stammsitz 
Amedzowe  mitgebracht  haben.     Ihre  Zahl  vermehrte  sich  im  Laufe  der  Zeit 


Eine  Oötzenhütte 

mit  Opferschüsseln  zu  beiden  Seiten. 


durch  solche  Götter,  die  an  ihren  jetzigen  Wohnsitzen  entstanden  sind,  sowie 
aus  solchen,  die  sie  von  irgend  einem  Nachbarstamm  sich  käuflich  er- 
worben haben.  Die  Heimat  der  ausländischen  ist  im  Westen  und 
Osten  des  ^i^^landes,  also  auf  der  Goldküste,  einschließlich  Asante  und 
Äkivamu,  und  in  Dahome  und  Yoruha.  Von  der  Goldküste  z.  B.  stammen 
die  Götter  Fofie  und  Dente,  aus  Dahome  und  Yoruha  kamen  Afa,  „Zeichen- 
deuterei  und  Wahrsagerei",  sowie  der  einen  großen  Teil  des  Uwelandes 
beherrschende  Geheimbund  der  YeweveTehreT.  Diese  eingewanderten  Götter 
können  unter  die  Zahl  der  Erbgötter  aufgenommen  werden,  wodurch  ihr 
Dienst  erblich  wird  und  der  Priesterdienst  vom  Vater  auf  den  Sohn  über- 
geht.    Ist  das  aber  nicht  geschehen,    so  gehören   sie    der  großen  Zahl   der 


Das  Volk  der  Eweev. 


65 


Wandergötter    an,     die    beim    Ableben    ihrer    Priester    nicht    in    derselben 
Familie  bleiben,    sondern  auf  andere  überspringen,  also   „wandern". 

An  der  Spitze  der  ältesten  Götter  steht  die  Erde,  die  im  ganzen 
nördlichen  Teil  des  EwelsLudes  unter  dem  Namen  mia  no,  „unsere  Mutter", 
verehrt  wird.  Sie  ist  die  Frau  des  Himmels  und  hat  im  Bunde  mit  ihm 
Menschen,  Tiere  und  Pflanzen,  ja  sogar  die  Erdengötter  erzeugt.  Sie  ist 
die    große    Ernährerin    alles    Lebendigen,    die   „nicht   einbricht,    auch   wenn 


Ein  Yewepriester. 


ihr  Feind   auf  ihr  geht".    Für  die   spätere   Entstehung   und   den   Kauf   der 
Erdengötter  sind  auf  den  nachfolgenden  Blättern  einige  Beispiele  mitgeteilt. 

c.  Die  persönlichen  Schutzgötter. 

Eine  dritte  Klasse  von  Göttern  sind  die  personlichen  Schutzgötter, 
die  über  Glück  und  Unglück  des  Menschen  verfügen.  Sie  haben  z.  T. 
ihren   Sitz   in  Amedzowe,    der  Seelenheimat,   z.  T.  auch  bei  dem  Menschen 


66 


Drittes  Kapitel. 


selber.  Zu  der  ersten  Klasse  gehören  die  Geistermutter,  der  Mann  und 
die  Frau  des  Jenseits,  besonders  aber  der  ghetsi,  „das  hinterlassene  Wort", 
von  dem  es  ein  gutes  und  ein  böses  gibt.  Die  Namen  der  beim  Menschen 
selbst   wohnenden  Schutzgötter    sind :    der  aklama,    der   allezeit    hilfsbereite 


Zaubermittel  für  die  Jagrd. 

Obere    Reihe:    1.  Armband,    gibt   Kraft    zur    Überwindung   jedes    Zaubers. 

2.  Schere  mit  der  Spitze  eines  Antilopenhornes,  gibt  offene  Augen  zur  Ent- 
deckung des  Wildes.  3.  Behälter  mit  Pulver,  das  auf  die  Wildspnren  gestreut, 
das  Wild  zur  Rückkehr  zwingt.  —  Untere  Reihe:  1.  Schnüro,  die  um  Hals 
und  linke  Hand  gewickelt,    das  Platzen  der  Flinte  verhüten.     2.  Armschmuck. 

3.  Hölzer,  die  Verwünschungen  solcher  Leute  unschädlich  machen,  die  mit  dem 

Jagdfleisch  unzufrieden  waren.     4.  Gürtel,  der  kugelfest  macht. 

Segenspender,    sowie    dzoghe   und  kpegbonola,    dessen  Aufgabe   es   ist,    die 
Lebensjahre  der  Menschen  dem  Tod  gegenüber  zu  verteidigen. 

2.  Die  Zauberei. 

Der  Glaube  an  die  geheimnisvolle  Kraft  des  Zaubers  ist  im  ganzen 
^weiande  bei  Männern  und  Frauen  tief  eingewurzelt,  und    sie   bringen   ihn 


Das  Volk  der  Eweer. 


67 


in  den  verschiedensten  Lebenslagen  zur  Anwendung.  Der  Zauber  heißt 
dzo,  „Feuer",  und  derjenige,  der  ihn  besitzt,  ist  ein  dzoto,  „Feuerbe- 
sitzer". Die  Anwendung  des  Zaubers  heißt  sa,  „binden,  knüpfen",  also 
die  Kraft  des  Zaubers  irgendwo  festbannen,  was  gewöhnlich  äußerlich 
durch  Umbinden  von  Schnüren  und  dergl.  geschieht.  Der  Zauber  kann 
einen  Gegenstand  wieder  verlassen  and  ist  dann  entwertet,  weil  seiner 
Kraft  „entleert". 

Im    allgemeinen    ist  zu    unterscheiden  zwischen  der  privaten  und  der 
im  Rechtsleben  zur  Anwendung  kommenden  Zauberei. 


Eiue  Frau  bei  Ausübung-  der  Wahrsagerei. 


a.  Die  Zauberei  im  Privatleben. 

Wie  schon  bemerkt,  treiben  die  meisten  Heiden  für  sich  und  ihre 
nächsten  Familienangehörigen  Zauberei.  Dieselbe  ersetzt  ihnen  die 
Hausapotheke.  Sie  erwerben  sich  dazu  überall,  wo  es  Gelegenheit 
gibt,  Zaubermittel,  welche  gegen  die  Einflüsse  böser  Götter,  Geister  und 
Menschen  in  Anwendung  gebracht  werden.  Während  sich  nun  die  einen 
damit  auf  den  einfachen  Hausgebrauch  beschränken,  lassen  sich  andere 
auf  einen  gewerbsmäßigen  Beti'ieb  der  Zauberei  ein,  wozu  sie  sich  je  nach 
ihren  Vermögensverhältnissen  möglichst  viele  Zaubermittel  käuflich  erwerben. 
Wie    bei   uns    hierzulande  der  Arzt,    so  wird    im  Eweland  der  Zauberer 


68 


Drittes  Kapitel. 


ZU  einem  Kranken  gerufen,  der  dann  nach  Feststellung  der  Krankheits- 
ursachen auch   die  entsprechenden  Zaubermittel  in  Anwendung  bringt. 

Unter  dieser  Klasse  von  Menschen  soll  es  auch  solche  geben,  die 
zwar  über  eine  große  Zahl  von  Zaubermitteln  verfügen,  sie  aber  vor  der 
Öffentlichkeit  geheimhalten.  Sie  sind  die  gefurcht  etsten  Menschen, 
weil  sie  oft  mit  scharfen  Giften  ausschließlich  im  geheimen  wirken.  Sie 
gehen  immer  darauf  aus,  einen  ihnen  mißliebig  gewordenen  Menschen 
unbemerkt  aus  dem  Leben  zu  schaffen.  Zu  diesem  Zweck  bringen  sie 
Gift  in  sein  Getränk,    seine  Schüsseln   und  Teller,   ja    sogar   in    den  Herd, 


^?^=^^^^        ^ 


,Mt.,.\M 


Ein  mit  Zauberinitteln  ausg-erüstetei-  Krieger. 


auf  dem  die  Speisen  gekocht  werden.  Sie  vergraben  zauberkräftige  Dinge, 
wie  z.  B.  Antilopenhörner,  Kaurimuscheln,  gebrauchte  Maiszapfen  und  dergl. 
unter  dem  Türeingang  ins  Gehöfte  oder  auf  dem  Acker  des  Feindes. 
Wird  jemand  als  geheimer  Zauberer  entdeckt,  so  kennt  die  Volkswut  kein 
Mitleid  mehr  mit  ihm,  und  er  wird  gewöhnlich  auf  die  grausamste  Weise 
hingerichtet. 

b.  Die    Zauberei   im   Rechtsleben. 
Eine  andere  Seite  der  Zauberei  kommt  im  aka,  dem  „Gottesurteil" 
zum  Ausdruck.     Die  Übersetzung  „Gottesurteil"  deckt  sich  zwar  nicht  mit 


Das  Volk  der  Eweer.  69 

dem  Wort,    wohl   aber    mit  dem  Sinn,    den  es  in  der  Volksanschauun»  hat. 
Wie  dzo    die   Zauberkraft   hauptsächhch    die  Wiedergenesung  Kranker    und 
den  Tod  unliebsamer  Menschen  bewirkt,  so  tritt  sie  im  aka  für  Recht  oder 
Unrecht    ein  und  wird  deshalb  ausschließlich  im  Gerichtswesen  angewandt. 
Beide  Zauberformen  sind  unpersönHch  und  treten  nur  auf  Befehl  und  nach 
dem  Willen   ihres  Besitzers  in  Tätigkeit.     Während  aber  derjenigen  Dinge 
in  welche  der  Zauber  hineingebannt  wurde,  Legion  ist,  so  beschränkt  sich 
das  aka  auf  etliche  wenige    Arten,    die  weithin  im  Lande  bei  Rechts- 
streitigkeiten   angewendet  werden.    Da  besteht  z.B.  die    eine  darin 
daß    der  JA;abesitzer  dem  Angeklagten  heißes  Öl  in  die  Hand  gießt;    dem 
Schuldigen    verbrennt    es    die    Hand,    der    Unschuldige    dagegen    empfindet 
keine  Schmerzen,    behält    das  öl    ruhig    in   der  Hand  und  salbt  sich  damit 
ein.     Das  Geheimnis    ist  leicht  zu  erraten :    Es  wurde  ihm  statt  siedendem 
nur  warmes  öl  in  die  Hand  gegossen.     Eine    andere    Art  besteht  darin 
daß  den  zu  prüfenden  Männern  mit  einem  glühenden  Eisen   das  Schienbein 
gebrannt  wird.     Derjenige  nun,   welcher  keine  Schmerzen  dabei  empfindet 
wird    als    unschuldig    erklärt.     Auch    hier    beruht   das  Ergebnis  auf  Betrug, 
der  dadurch  ermöglicht  wird,  daß  dem  einen  mehr  und  dem  andern  weniger 
von  der  schleimigen  Masse  an  das  Bein  gestrichen  wurde,  die  die  Wirkungen 
des  glühenden  Eisens  abschwächt. 

Wie  die  erste  Art,  so  wird  auch  diese  gekauft,  wobei  Käufer  und 
Verkäufer  Blutsbrüderschaft  schließen.  An  die  Erwerbung  schließt  sich 
dann  noch  eine  öffentliche  und  feierliche  Weihe,  in  welcher  der  aka  im 
Beisein  von  Zeugen  geprüft  wird.  Die  Akahes'itzer  sind  unter  dem  Volke 
gefürchtet  und  bilden  untereinander  einen  engen  Verband,  in  dem  man  sich 
auf  weite  Entfernungen  hin  gegenseitig  über  die  neuesten  Vorgänge  auf  dem 
Laufenden  erhält. 

3.  Der    Mensch, 
a.  Abstammung. 

Der  Leib  des  Menschen  ist  von  Erde  und  wurde  von  Gott  „ge- 
bildet", dessen  Hauptarbeit  es  heute  noch  ist,  menschliche  Körper  zu  formen. 
Zur  Herstellung  eines  menschlichen  Körpers  braucht  Gott  die  Kinnlade  eines 
verstorbenen  Menschen  und  Töpferton,  den  er  knetet  und  formt.  Für  die 
Herstellung  seines  Körpers  gebraucht  der  Eweer  die  Worte  me,  „formen" 
und  wo,  „machen".  Anders  verhält  es  sich  mit  der  geistigen  Seite  seines 
Wesens,  sagen  wir  kurzweg,  seiner  Seele.  Sie  stammt  aus  der  Seelen- 
heimat Ämedzoihe,  wo  sie  von  der  Geistermutter  „geboren  wurde"  und 
nach  ihrer  Geburt  ein  selbständiges  Dasein  führte,  das  Ähnlichkeit  hat 
mit  dem  Leben  im  Diesseits.  Als  diesseitiger,  mit  Leib  und  Seele  begabter 
Mensch  wird  er  erst  im  Diesseits  von  Menschen  geboren.  Einer  Geburt  im 
Diesseits  ging  die  Verabschiedung  im  Jenseits,  der  Seelenheimat,  voraus. 
Dabei  gab  die  Geistermutter  dem  Scheidenden  verschiedene  Segenssprüche 
mit.  Er  seinerseits  versprach  dort,  bis  wann  er  wieder  zurückkehren 
werde.  Dieses  Versprechen  wird  ghetsi,  das  „hinterlassene  Wort"  oder  das 
j, personifizierte  Versprechen"  genannt. 


70  Drittes  Kapitel. 

b.  Beschaffenheit. 

Aus  dem  Jenseits  brachte  der  Mensch  auch  sein  Lebensgeschick, 
sowie  einen  fertigen  Charakter  mit  ins  Diesseits.  Ein  gutgearteter 
Mensch  war  dort  schon  gut,  und  ein  mit  Schlechtigkeiten  behafteter  Mensch 
war  dort  schon  schlecht  gewesen.  Daher  kommt  es,  daß  viele  ihre  gesetz- 
widrigen Handlungen  mit  der  Redeweise  entschuldigen:  „Das  ist  eben  meine 
Art  von  der  Seelenheimat  her."  Wenn  solche  sich  haben  etwas  zu  schulden 
kommen  lassen,  die  mit  einem  „guten  Charakter"  in  diese  Welt  herein- 
gekommen sind,  so  führen  sie  die  Ursache  davon  auf  den  Einfluß  eines 
bösen  ghetsi   aus   dem  Jenseits    oder  auch  eines  bösen  Erdengottes  zurück. 

Angesichts  dieser  Anschauungen  ist  es  merkwürdig,  daß  der  Mensch 
nicht  nur  unter  dem  Einfluß  seines  aus  dem  Jenseits  mitgebrachten 
Charakters,  sondern  auch  unter  der  Leitung  seines  Herzens  im 
Diesseits  handelt.  Die  Glieder  werden  deswegen  auch  als  die  Unter- 
gebenen des  Herzens  angesehen,  und  ehe  sie  eine  böse  Handlung  ver- 
richten, wehrt  ihnen  das  Herz  ab,  „es  spricht  Worte".  Die  Versuchung 
geht  durch  die  Vennittlung  des  Auges  oder  Ohres  von  Dingen  aus,  die 
außerhalb  des  Menschen  sind,  aber  nie  vom  Herzen.  Die  Wirkungen  der 
bösen  Tat  sind  die,  daß  das  „Herz  dem  Menschen  etwas  sagt",  daß  es  „sich 
bewegt",  „unrvdiig  ist",  „sich  fürchtet".  Diese  Tätigkeit  des  Herzens  nach 
der  bösen  Tat  bestimmt  manchen  Menschen,  seine  Schuld  zu  bekennen  und 
Abbitte  zu  tun.  Andere  treibt  sie  auch  in  den  Tod,  wie  das  aus  der  Fabel 
der  Tsentse  und  dem  Gresang  des  Vogels  deutlich  zu  ersehen  ist. 

c.  Das  Lebensziel. 

Der  Tod  ist  zwar  die  Grenze  des  irdischen  Lebens,  nicht  aber 
die  Vernichtung  seiner  persönlichen  Existenz.  Der  Mensch 
stirbt  erst  dann,  wenn  die  von  ihm  selbst  bestimmte  Lebensdauer  ab- 
gelaufen ist.  Nach  ihrer  Loslösung  vom  Leibe  geht  die  Seele  seufzend 
einher  und  stört  ihre  Hinterbliebenen.  Sie  klopft  an  ihre  Türe  oder  geht 
als  weiße  Gestalt  auf  der  Dorfstraße  umher,  wo  sie  die  ihr  im  Leben  un- 
angenehm gewordenen  Menschen  mit  Steinen  wirft;  dann  aber  muß  sie 
wandern,  und  das  Ziel  ihrer  Reise  ist  die  Unterwelt.  Aber  auch  diese  ist 
nur  ein  Durchgangsort,  von  der  sie  über  kurz  oder  lang  wieder  ins  Dies- 
seits zurückkehrt,  wo  sie  als  Mensch  in  ihrer  Familie  oder  aber  in  gewissen 
Tieren  ihr  Dasein  fortsetzt.  Die  Fabel  von  Safudu  Kwaku  beweist  jedoch, 
daß  manche  Menschen  nach  ihrem  Tode  auch  sofort  von  Gott  in  den 
Sonnenaufgang  versetzt  werden. 

B.   Kultus. 

1.  Verehrung   der   Himmels götter. 

a.  Verehrung   des    „großen   Gottes". 

Wenn  gesagt  wird,  daß  in  Afrika  die  Gottesverehrung  hinter  den 
Geisterdienst  zurückgetreten  sei   und  ganz  vernachlässigt  werde,    so  stimmt 


Das  Volk  der  Eweer. 


71 


das  mit  den  Tatsachen  im  ^'it'^'lande  nicht  überein.  Wohl  kann  ein  Zurück- 
treten, nicht  aber  eine  gänzhche  Vernachlässigung  festgestellt  werden.  Auch  die 
Behauptung  des  Engländers  Ellis,  daß  Gott,  obgleich  der  mächtigste  aller 
Götter,  nie  direkt  Opfer  dargebracht  werden,  und  daß  selten  zu  ihm  gebetet 
werde,  ist  nicht  unbedingt  richtig.    Versteht  man  unter  dem  höchsten  Gott  den 


Ein  Opferplatz 

mit  zwei  .4M?/abäumen,  unter  denen  Branntweinflaschen  liegen  (z.  S.  72). 


Himmel,  so  ist  daraufhinzuweisen,  daß  es  besondere  Himm  eispriest  er 
gibt,  die  beides,  Opfer  und  Gebete,  darbringen.  Wenn  z.  B.  der  Himmels- 
priester in  Ho  zum  Himmel  betet:  „0,  unser  Vater  und  unser  Herr!  Wir 
danken  dir;  aber  siehe,  wie  unser  Land  so  trocken  ist!  Es  ist  sehr  dürre, 
und  wir  müssen  hungern.     Gib,    daß  es  heute,    heute  noch  regnet!"  —  so 


72  Drittes  Kapitel. 

ist  das  ein  unmittelbar  an  Gott  gerichtetes  Gebet.  Außerdem  bringt  der 
Priester  Gott  jedes  Jahr  unter  Gebet  ein  Stück  Yams  als  Opfer  dar,  den 
er  speziell  für  diesen  Zweck  gepflanzt  hatte.  Versteht  man  unter  dem 
„großen  Gott"  den  göttlichen  und  personifiziert  gedachten  Segen,  so 
stimmen  die  Beobachtungen  von  Ellis  wieder  nicht,  weil  er  nicht  nur 
wöchentlich  und  monatlich,  sondern  auch  jährlich  verehrt  wird.  Wie  der 
Priester  des  Himmels,  so  muß  auch  der  Priester  des  „großen  Gottes"  sich 
durch  Waschungen,  Betupfen  des  Körpers  mit  weißer  Erde  und  Anlegen 
einer  weißen  Kleidung  für  den  Dienst  vorbereiten.  Selbst  sitthche  Rein- 
heit wird  wenigstens  für  diese  Handlungen  von  ihm  gefordert.  Als  Opfer- 
tier darf  nur  ein  ganz  weißes  Schaf  genommen  werden,  das  der  Priester, 
bevor  es  geschlachtet  wird,   dreimal  gen  Himmel  hält. 

b.  Verehrung   der   Götter  Sodza   und   Sogble. 

Wer  sich  länger  mit  der  Religion  der  Etheex  beschäftigt  hat,  wird 
sich  des  Eindrucks  nicht  erwehren  können,  daß  vielerorts  Sodza  als  der 
„große  Gott"  angesehen  wird  und  Sogble,  obgleich  sein  Gemahl,  doch  auch 


Lehmg^ötzen  und  Opferschüsseln  (zu  S.  73). 

wieder  sein  Diener  ist.  Wie  dem  aber  auch  sein  mag,  auch  zu  ihm  wird 
gebetet,  auch  werden  ihm  Opfer,  bestehend  in  Yams  und  weißen  Schafen, 
dargebracht.  Ja  noch  mehr,  bei  der  Verehrung  der  Erdengötter  wird  das 
ihnen  zugedachte  Opfer  neunmal  gen  Himmel  gehalten,  und  der  Priester 
bietet  es  zuerst  dem  Gott  Sodza,  der  mächtigen  Mutter  des  Wachstums, 
als  sein  Opfer  an,  und  nun  erst  werden  die  Erdengötter,  denen  das  Opfer 
gilt,  angeredet.  Neben  dieser  unmittelbaren  Verehrung  wird  freilich  auch 
Sogble  als  Vermittler  des  Gebets  gedacht;  aber  auch  zu  ihm  selbst  wird 
gebetet,  und  das  für  ihn  bestimmte  Opfer  darf  nur  in  einem  weißen  Schaf 
stbeehen. 

2.  Verehrung   der  Erdengötter. 

Wie  die  Verehrung  der  Himmelsgötter,  so  knüpft  sich  auch  die  der 
Erdengötter  an  feste  Zeiten  oder  auch  an  zufällige  Ereignisse,  wie  Krieg, 
Seuchen  und  tem-e  Zeit.  An  den  Opferhandlungen  beteiligte  sich  in 
früheren  Zeiten  der  ganze  Stamm  oder  die  Stadt,  welche  die  Schützhnge 
des  Gottes  waren,  dem  sie  galten.  Das  Opfertier,  gewöhnhch  eine  Ziege, 
wurde  unter  Gebet  in  die  Höhe  gehalten  und  dem  Gott  mit  der  Einladung 
angeboten,     er    solle    kommen    und    sein    Opfertier    in    Empfang    nehmen. 


74  Drittes  Kapitel. 

Dann  drückte  man  den  Kopf  des  Tieres  in  eine  mit  Wasser  gefüllte  Grube, 
und,  während  die  einen  ihm  Maul  und  Kehle  zudrückten,  mißhandelten  es 
die  andern,  bis  es  verendete.  Der  Schluß  wurde  mit  Opfermahlzeit  und 
Segenspendung  von  selten  des  Priesters  beschlossen.  Letztere  bestand 
darin,  daß  die  Verehrer  mit  einem  auf  dem  Opferplatz  angerührten  Schlamm 
bestrichen  wurden. 

3.  Verehrung   der  persönlichen   Schutzgötter. 

Bei  dieser  handelt  es  sich  meistens  um  Darbringung  kleiner  Lehm- 
götzen, die  als  Tauschmittel  angesehen  werden,  d.  h.  der  Empfänger  der- 
selben soll  sie  an  Stelle  des  Opfernden  annehmen.  Dazu  kommen  noch 
Feldfrüchte  und  Hühner. 

Da  von  einer  öffentlichen  Verehrung  des  Zaubers  nicht  gesprochen 
werden  kann,  weil  es  keine  gibt,  so  gehe  ich  über  zum 

4.  Ahnenkult. 

Dieser  kommt  zum  Ausdruck  bei  den  Totenfesten,  bei  der  Verehrung 
des  königlichen  Stuhles,  beim  Gebet  zum  Palmenwald  und  endlich  bei  der 
Verehrung  der  Sonne. 

Den  Verstorbenen  werden  Opfer  mitgebracht,  wenn  die  An- 
gehörigen den  Geist  zitieren  lassen,  um  von  ihm  die  Ursachen  seines 
Todes  zu  erfahren.  Man  gießt  Wasser  und  Palmwein  auf  ihr  Grab  und 
stellt  Speisen  für  sie  an  den  Weg. 

Das  Schaf,  das  für  den  Königsstuhl  dargebrachte  Opfer  beim 
Yamsfest,  gilt  den  königlichen  Ahnen,   die  je  auf  dem  Stuhl  gesessen  waren. 

Sollen  Palmen  zum  Palmweinmachen  gefällt  werden,  so  wendet 
sich  das  Familienhaupt  im  Gebet  an  alle  Vorfahren  und  bringt  ihnen  ein 
Mehlopfer  dar.  Er  bittet  sie,  ihnen  nicht  böse  zu  werden,  wenn  sie 
Palmen  fällen,  damit  keines  von  ihnen  krank  werde  und  der  Palmwein 
reichlich  fließe. 

Im  Innern  beten  viele  Betrübte  zu  der  aufgehenden  Sonne  und 
wenden  sich  damit  an  ihre  verstorbenen  Angehörigen,  denen  sie  ihren 
Jammer  klagen  oder  sie  bitten,  zu  kommen  und  sie  zu  sich  zu  holen, 
oder,  sie  mögen  den  krank  zu  Haus  liegenden  N.  N.  nicht  länger  belästigen. 
Ihre  Opfer  bestehen  in  Kehricht,  verbranntem  Yams  und  verbranntem 
Mais,  das  man  im  Busch  da  niederlegt,  wo  die  Geräte  der  Verstorbenen 
stehen. 


Viertes  Kapitel. 


Die  Erschließung  des  Landes. 

I.  Die  Norddeutsche  Missions-(xesellschaft. 

Im  Jahre  1847  kamen  die  Eweer  zum  erstenmal  in  dauernde  Berülarung 
mit  den  Europäern.  Damals  begannen  die  Missionare  der  Norddeutschen 
Missions-Gesellschaft  in  dem  Stamme  der  Pekier  westlich  von 
Ho,  zwischen  Volta  und  Tsavoe  gelegen,  ihre  Missionsarbeit.  Der  Versuch, 
sich  gleich  im  Innern  festzusetzen,  mißlang.  Im  Jahre  1853  mußte  der 
Ausgangspunkt  der  Missionstätigkeit  an  die  Küste,  nach  Keta,  verlegt 
werden.  Von  hier  aus  wurde  1856  Waya,  20  Stunden  im  Innern,  be- 
setzt, im  folgenden  Jahre  das  zwischen  beiden  Orten  gelegene  Anyako 
und  1859  Ho,  damals  Wegbe  genannt.  Diese  Stationsanlagen  unter  der 
tropischen  Hitze  eines  unwegsamen,  völlig  unbekannten  Landes,  dessen 
Bewohner  noch  keinen  Balken  bearbeitet,  kein  Brett  gesägt  und  keinen  Stein 
gebrannt  hatten,  bedeuten  ein  Kulturwerk  von  nicht  geringem  Wert.  Kaum 
hatten  die  Missionare  nach  der  ersten  Bewältigung  der  Sprachschwierigkeiten 
begonnen,  das  Vertrauen  der  Leute  zu  gewinnen  und  eine  Bresche  in  die 
Mauer  des  Heidentums  zu  schlagen,  als  die  beständigen  kriegerischen 
Verwicklungen,  zwischen  den  einzelnen  Stämmen  im  Asante-Kriege 
(1869 — 1874)  ihren  Höhepunkt  erreichten.  Ho  wurde  gänzlich  zerstört, 
Anyako  geplündert  und  muJßte  dann  ebenso  wie  Waya  aus  Gesundheitsrück- 
sichten aufgegeben  werden.  Die  Opfer,  die  das  Klima  in  den  ersten  Jahr- 
zehnten unter  der  kleinen  Arbeiterschar  forderte,  waren  furchtbare.  Aber 
unerschrocken  hielten  die  Missionare  aus  und  haben  dadurch  nicht  zum 
wenigsten  zur  Erschließung  des  Ewelandes  beigetragen. 

Mit  dem  Wiederaufbau  der  Station  Ho  (1875)  und  der  deutschen 
Besitzergreifung  des  Togolandes  (1884)  begann  auch  für  die  Mission  eine 
Zeit  des  Wachstums.  Neben  Keta,  wo  zuerst  auch  Hamburger 
Diakonissen  in  die  Arbeit  eintraten  und  eine  stattliche  Kirche  gebaut  wurde, 
traten  eine  Reihe   neuer  Hauptstationen.     Zunächst   wurde    die    Berg-   und 


76 


Viertes  Kapitel. 


Gesundheitsstation    Amedzowe    (1890)    eröffnet,    von    deren   Haupthause 
Premierleutnaut  Herold  schrieb : 

„Wenn  so  die  Missionare  geschickt  benutzten,  was  die  allgütige  Natur  ihnen  freigiebig 
gewährte,  haben  sie  außerdem  ihre  Erfahrung  mit  Klugheit  praktisch  verwertet,  indem  sie 
in  den  Grenzen  ihrer  beschränkten  Mittel  alle  Hilfsmittel  der  Technik  heranzogen,  um  das 
gleichzeitig  gesundeste,  aber  auch  stolzeste  Bauwerk  des  Togolandes  hier  aufzuführen, 
welches  deshalb  ein  Muster  für  alle  neu  zu  errichtenden  Massivbauten  in  den  Tropen  zu 
nennen  ist.  Da  der  ganze  Bau  grundsätzlich  mit  tunlichst  ausschließlicher  Benutzung  ein- 
heimischen Materials  durch  eingeborene  Handwerker  und  Arbeiter  vom  Missionar  Seeger 
ausgeführt  wurde,  liefert  dieser  Umstand  den  glänzenden  Beweis  dafür,  daß  die  evangelischen 
Missionen  die  Eingeborenen  mit  großem  Erfolge  zur  Arbeit  gewöhnten  \ind  sich  einen 
tüchtigen  Stamm  erprobter  Arbeiter  erzogen." 


Das  alte  Missionshaus  in  Wegbe  (zu  S.  75). 


Die  zweite  Küstenstation  wurde  1895  in  Lome  angelegt,  wohin  nach 
Zerstörung  des  Strandhauses  in  Keta  die  Spedition  und  Hauptkasse,  später 
auch  der  Sitz  des  Präses  verlegt  wurde.  Eine  weitere  Bergstation  konnte 
1901  in  Agu  eröffnet  werden,  während  die  Übernahme  der  von  der 
Basler  Mission  besetzten  Ortschaften  in  der  Voltaebene  1905  zur  Errichtimg 
der  Station  Akpafu  führte,  deren  Bau  den  Eingeborenen  schon  in  Akkord 
vergeben  Averden  konnte.  Auf  allen  diesen  Stationen  bestehen  siebenklassige 
Schulen,  z.  T.  auch  besondere  Mädchenschulen,  ferner  in  Amedzowe  ein 
dreiklassiges  Lehrerseminar,  während  auf  den  zahlreichen  (90)  Außen- 
stationen einklassige  Volksschiden  eingerichtet  sind.  Die  Zahl  der  am 
1.  Januar  1906   gesammelten  Christen  betrug  5159,    die  der  Schüler  2939. 

Bei  ihren  Baugeschäften  und  Reisen,  ihrer  Schul-  und  Gemeindearbeit 
haben    die    Missionare    dem    Sprachstudium   und    der    Erforschung 


Die  Erschließuno'  des  Landes. 


77 


von  Land  und  Leuten  viel  Zeit  gewidmet.  Schon  im  Jahre  1858 
veröffentlichte  Missionar  Bernhard  Schlegel  in  seinem  „  Schlüssel  der 
Ewesprache"   die  erste  Ewegrammatik  und  „Beiträge  zur  Geschichte,  Weh- 


rt 


a 


und  Religionsanschauung  des  Westafrikaners."  Auch  die  erste  Karte  des 
Ewelandes  stammt  von  einem  Missionar,  Christian  Hornberoer  der 
die  Ergebnisse    seiner   weiten   Reisen    und   eingehenden  Forschunoen  'l867 


73  Viertes  Kapitel. 

in  „Dr.  A.  Petermanns  Mitteilungen  aus  Justus  Perthes  geographischen 
Anstalt"  veröffentlichte.  Später  haben  dann  die  Missionare  Zündel,  Binder 
und  Merz,  neuerdings  Bürgi,  Härtter,  Spieß  und  Fies  in  verschiedenen 
wissenschaftlichen  und  kolonialen  Zeitschriften  wertvolle  Mitteilungen  ge- 
macht, am  umfassendsten  Spieth,  der  auch  zusammen  mit  Missionar 
Däuble  die  3.  Auflage  des  Neuen  Testamentes  in  der  Ewesprache  besorgte 
und  jetzt  an  der  Übersetzung  des  Alten  Testamentes  arbeitet.     Eine   stetig 


Missionar  Schleg-el,  f  185!)  (zu  8.  77] 
Verfasser  der  ersten  EicegTa.mmatik. 


wachsende  Literatur  für  Kirchen-  und  Schulzwecke  ist  vorhanden,  u.  a.  auch 
ein  dreiteiliges  ewe-deutsches  Übungsbuch.  Ein  Kalender  und  ein  Vierteljahrs- 
blatt, der  „Friedensbote",  findet  viele  Leser.  Die  Ergebnisse  der  namentlich 
von  Knüsli,  Bürgi  und  Däuble  geförderten  Sprachforschung  hat  dann  Missionar 
West  ermann  in  seinem  1905  erschienenen  „Wörterbuch  der  Ewesprache" 
zusammengefaßt,  das  nach  dem  Urteil  von  Professor  Meinhof-Berlin  „geeignet 
ist  in  der  afrikanischen  Linguistik  Aufsehen  zu  erregen,  da  es  neues  Licht 
in  die  so  dunklen  Sprachverhältnisse  des  Sudan  wirft." 


Die  Erschließung:  des  Landes. 


79 


II.  Der  Handel. 

Die  Sklavenküste  hat  Jahrhunderte  hindurch  einen  schändhchen 
Handel  gesehen,  den  schmählichen  Sklavenhandel,  dessen  letzte  Ausläufer 
die  ersten  norddeutschen  Missionare  noch  mit  erlebten.  Ihre  Wirksamkeit 
sollte  ohne  ihre  Absicht  dazu  dienen,  einem  soliden  Handel  die  Wege  zu 
öffiien.  Eine  direkte  Verbindung  zwischen  dem  Ewelande  und  Europa 
war  um  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  noch  nicht  vorhanden.  Die 
Missionare  erhielten  ihre  Post  und  Waren  über  Accra,  von  wo  alles  durch 


Friedrich  Martin  Yietor,  f  1906. 


besondere  Träger  und  Boten  geholt  werden  mußte,  was  sehr  kostspielig 
und  langwierig  war.  Mit  der  Ausdehnung  der  Arbeit  wuchsen  diese  Spe- 
ditionsarbeiten. Die  Mission  sandte  daher  1857  den  Kaufmann  C  hristian 
Rottmann  aus,  der  außerdem  im  Aufti-age  der  Firma  F.  M.  Vietor  in 
Bremen  einen  Handel  mit  den  Eingeborenen  zur  Förderung  der  Missions- 
arbeit in  die  Wege  leiten  sollte.  Zugleich  entschlossen  sich  die  Brüder 
Karl  und  Fritz  Vietor  zum  Bau  eines  Schuners,  der  zu  billigen  Fracht- 
sätzen für  die  Mission  Passagiere  und  Güter  direkt  von  Bremen  ins  Ewe- 
land  bringen  sollte.  Wie  wenig  die  „Dahomey",  die  am  3.  Januar  1858 
als    erstes    deutsches    Schiff  vor   Keta   lag,    an    ein    erfolgreiches    Geschäft 


80 


Viertes  Kapitel. 


dachte,  geht  daraus  hervor,  daß  sie  den  Auftrag  hatte,  von  Keta  nach 
Rio  de  Janeiro  zu  gehen,  um  als  Rückfracht  Kaffee  einzunehmen.  Dies  war 
freihch  nicht  nötig,  da  es  in  Keta  bakl  zu  einem  lebhaften  Handel  kam, 
der  somit  direkt  aus  der  Mission  erwachsen  ist. 

Trotz  mancher  Schwierigkeiten,  namentlich  infolge  der  kriegerischen 
Unruhen  im  Inneren  nahm  der  Handel  einen  immer  größeren  Aufschwung, 
so  daß  schon  18(13  ein  zweites  Schilf,  die  „Volta",  eingestellt  werden  konnte 
und  1868  die  Personalunion  zwischen  dem  geschäftlichen  Agenten  der  Mission 
und  dem  Leiter  der  Handelsniederlassung  aufgehoben  wurde.  Die  Firma 
F.  M.  Victor   errichtete    im   Laufe    der    Zeit   verschiedene    Faktoreien  und 


Die  ullo  lirt'iiier  Faktorei  in  Keta  mit  der  ..Dahomey". 


eine  ganze  Reihe  ihrer  Angestellten  eröffneten  selbständige  Geschäfte.  Eine 
Anerkennung  für  die  Bedeutung  der  hier  gemeinsam  von  der  Mission  und 
dem  Handel  geleisteten  Arbeit  war  es,  daß  1867  eine  englische  Schiifahrts- 
gesellschaft  ihre  Dampfer  in  Dzelukowe  bei  Keta  halten  ließ.  Durch  die 
Ausdehnung  der  deutschen  Handelsinteressen  an  der  ganzen  Küste  des 
Ewelandes,  namentlich  in  Anecho,  und  durch  den  glänzenden  Aufschwung 
der  Wo  ermann -Linie  in  Hamburg  Avurde  dann  die  Errichtung  der  deutschen 
Schutzherrschaft  vorbereitet. 

Die  Entwicklung  des  Handels  im  einzelnen  zu  verfolgen,  würde 
hier  zu  weit  führen.  Am  1.  Januar  1905  beti'ug  die  Zahl  der  in  Togo 
tätigen    Firmen    27    mit    18   Zweigniederlassungen    und    149    Verkaufsläden 


Die  Erschließung  des  Landes.  81 

Mußten  die  Kaufleute  früher  ihre  Faktoreien  nur  an  der  Küste  anlegen 
und  sich  auf  kurze  Reisen  „in  den  Busch"  beschränken,  so  können  sie 
jetzt  ihre  Zweiggeschäfte  immer  Aveiter  ins  Innere  verschieben.  Agome 
Palime,  der  vorläufige  Endpunkt  der  im  Bau  befindlichen  Inlandbahn,  hat 
sich  bereits  zu  einem  wichtigeu  Handelsplatz  entwickelt.  Auch  in  Atakpame, 
Kpando,  Kratschi  und  den  größeren  Plätzen  am  Mono  kommt  der  Handel 
immer  mehr  in  die  Hände  der  Europäer.  Von  wachsender  Bedeutung  sind 
die  mit  Hilfe  des  „Kolonialwirtschaftlichen  Komitees"  begonnenen  Unter- 
nehmungen zur  Förderung  des  Baumwollenbaus  durch  Plantagen  (Deutsche 
Togo-Gesellschaft)  und  znr  Hebung  der  Eingeborenenkulturen.  Im  Jahre 
1!)04  hatte  die  Ausfuhr  einen  Wert  von  3  551358  clC.y  die  Einfuhr  von 
G  898  323  ,yfC  Unter  den  Erzeugnissen  des  Landes  sind  in  erster  Linie  zu 
nennen  Palmkerne  und  Palmöl  mit  zusammen  1  •223 196  o4C.-,  es  folgen 
Kautschuk  mit  712  525  c/IC.^  Baumwolle  mit  50  394  ^U,  Bei  den  eingeführten 
Waren  ist  leider  in  erster  Linie  der  Brannt^vein  zu  nennen  mit  1  741  083  c4C. 
(Steigerung  gegen  1903  1105  845  oiC.  vor  der  eintretenden  Erhöhung  des 
Zolltarifs  für  Spirituosen) ;  die  Baumwollgarne  und  -Gewebe  hatten  einen 
Wert  von  1455  051  c/1L  Über  den  Aufschwung  der  Schiffahrt  ist 
bereits  oben  Seite  27  berichtet. 

Welche  Bedeutung  die  Gewinnung  und  der  Umsatz  dieser  Waren- 
mengen auf  die  Erschließung  des  Landes  und  die  Entwicklung  der 
Bevölkerung  hat,  liegt  auf  der  Hand.  Unsere  Handelskolonie  Togo  ist  die 
einzige,  die  für  ihre  regelmäßigen  Ausgaben  keiner  Unterstützung  des 
Deutschen  Reiches  bedarf.  Auch  die  Kosten  des  Bahnbaus  werden  durch 
die  Erhöhung  der  Zölle  allmählich  zurückgezahlt.  Um  so  betrübender  ist 
es,  daß  der  Branntweinhan  del,  der  ein  Volk  physisch,  moralisch  und 
wirtschaftlich  zu  Grunde  richten  muß,  noch  einen  solchen  Umfang  im  Ewe- 
lande  hat.  Wie  laut  hat  der  1900  verstorbene  Missions-Inspektor  D.  Zahn 
dagegen  seine  Stimme  erhoben.  Das  oben  genannte  Haus  Victor  hat 
deutlich  bewiesen,  daß  der  Spirituosenhandel,  der  allerdings  leicht  erreich- 
bare Vorteile  bietet,  für  das  Gedeihen  eines  westafrikanischen  Geschäftes 
durchaus  nicht  notwendig  ist.  Mögen  die  Bemühungen  aller  Einsichtigen 
sowie  die  Bestrebungen  der  „Kommission  zur  Bekämpfung  des  westafrikani- 
schen Branntweinhandels",  wie  sie  durch  deren  Geschäftsführer  Super- 
intendent G.  Müller  in  Schleusingen,  noch  1905  in  Pest  auf  dem  X.  Inter- 
nationalen Kongreß  gegen  den  Alkoholismus  zum  Ausdruck  gekommen 
sind,  den  gewünschten  Erfolg  haben ! 


m.  Die  römisch-katholische  Mission. 

Die  Arbeit  der  katholischen  Mission  an  der  Sklavenküste 
ist  von  dem  Seminar  für  afrikanische  Missionen  in  Lyon  in  Angriff  ge- 
nommen Avordeu.  Schon  1860  wurde  das  apostolische  Vikar iat  von 
Dahome  gegründet,  dessen  Grenzen  Niger  und  Volta  bilden  sollten. 
Dasselbe  erhielt  später  den  Namen  „Vikariat  der  Beninküste",  von  dem 
1882  die  apostolische  Präfektur  Dahome  abgetrennt  wurde.  Das  deutsche 
Togoland  kam  zunächst  für  die  im  französischen  Dahomegebiete    gelegene 


82 


Viertes  Kapitel. 


Hauptstation  Ague  in  Betracht,  von  der  aus  die  Nebenstationen  Kl.  Popo 
und  Porto  Seguro  begründet,  auch  Reisen  nach  Atakpame  unternommen 
wurden. 


p 
? 


Die    weitere    Entwickhmg    der   politischen   Verhältnisse    führte    1892 
Begründung     der     apostolischen     Präfektur     Togo,      deren 
der  „Gesellschaft    des  göttlichen  Wortes"   übertragen  wurde, 


zur 
Missionierung 


Die  Erschließung  des  Landes.  83 

die  in  Steyl  (Holland)  ihr  Mutterhaus  und  in  Neuland  bei  Nelsse  sowie 
in  Mödling  bei  Wien  Filialen  besitzt.  Am  28.  August  1892  hielten  die 
ersten  Sendboten,  zwei  Priester  und  drei  Laienbrüder,  in  Lome,  wo  damals 
nm'  ein  einziger  deutscher  Beamter  wohnte,  die  erste  Messe.  Sie  über- 
nahmen die  Arbeit  der  französischen  Katholiken  und  schlugen  ihr  Haupt- 
quartier zunächst  in  Klein  Popo,  dann  mit  der  Verlegung  des  Sitzes  der 
deutschen  Regierung  in  Lome  auf. 

Nach  dem  letzten  allgemeinen  Bericht  über  die  Arbeit  bestand 
1905  das  europäische  Arbeitspersonal  aus  25  Priestern,  10  Laienbrüdern 
und  15  Schwestern.  Es  werden  6  Hauptstationen  in  Lome,  Porto  Seguro 
und  Aneho  an  der  Küste  sowie  in  Atakpame,  Agome  Palimc  und  Kpando 
im  Innern  unterhalten.  Die  61  Missionsschulen  besuchten  2416  Kinder, 
darunter  298  Mädchen,  ferner  zählten  8  Internate  106  Zöglinge  und  eine 
Handwerkerschule  51  Lehrlinge.  Die  Zahl  der  Gemeindeglieder  betrug 
2697.  Unter  den  verschiedenen  schönen  Bauten  verdient  die  am  21.  Sep- 
tember 1902  eingeweihte  stattliche  Herz-Jesu-Kirche  in  Lome  besonders 
hervorgehoben  zu  werden. 


IV.  Die  deutsche  SchutzlieiTsehaft. 

Das  schnelle  Wachstum  der  beiden  mit  einander  wetteifernden 
Missionen  sowie  die  erfreuliche  Entfaltung  des  Handels  wären  nicht  möglich 
gewesen  ohne  die  deutsche  S  chutz  h  errs  chaft,  der  es  zu  danken 
ist,  daß  die  ewigen  kriegerischen  Verwicklungen  der  Stämme  beendet  und 
die  unwegsamen  Landschaften  des  Innern  immer  mehr  erschlossen  werden. 

Die  Veranlassung  zur  Besitzergreifung  der  Sklavenküste 
durch  Deutschland  lag  in  den  Belästigungen,  denen  deutsche  Firmen  in 
Kl.  Popo  seitens  der  eingeborenen  Häuptlinge  ausgesetzt  waren.  Anträge 
an  das  Auswärtige  Amt  führten  dazu^  daß  im  Februar  1884  die  Korvette 
„Sophie"  in  Kl.  Popo  Truppen  landete  und  Kapitän  Stubenrauch  durch 
einen  Vertrag  Leben  und  Eigentum  der  Deutschen  sicher  stellte.  Bald 
aber  kam  es  zu  neuen  Verwicklungen,  denen  dadurch  ein  Ende  gemacht 
wurde,  daß  der  Reichskommissar  Dr.  Nachtigal  mit  der  „Möve"  an  der 
Küste  erschien  und  am  5.  Juli  1884  in  Begida  und  am  16.  Juli  in 
Porto-Seguro  die  deutsche  Flagge  hißte.  In  Kl.  Popo  war  dies  nicht 
möglich,  da  dort  auch  die  Franzosen  Ansprüche  erhoben  und  zeitweilig 
festen  Fuß  faßten.  Dem  Eingreifen  des  Admirals  Knorr  auf  der  Korvette 
„Bismarck"  war  es  dann  zu  danken,  daß  im  September  1885  die  Küste 
von  Lome  bis  Kl.  Popo  in  einer  Länge  von  ungefähr  52  km  unter  deutschen 
Schutz  gestellt  wurde.  Der  Sitz  der  Regierung  war  zuerst  Bagida,  dann 
Kl.  Popo  und  seit  1894  Lome. 

Die  Aufrichtung  der  deutschen  Schutzherrschaft  und  die 
Feststellung  der  Grenzen  des  Togogebietes  hat  viel  Zeit,  nämlich 
nicht  weniger  als  20  Jahre,  in  Anspruch  genommen,  erfreulicher  Weise 
aber  wenig  Kämpfe  und  Menschenleben  erfordert.  Im  Hinterlande  suchten 
Deutsche,  Engländer  und  Franzosen  sich  gegenseitig  den  Rang  abzulaufen, 
indem    sie  Expeditionen    unternahmen,    bei    denen    die    geographische  Er- 


84 


Viertes  Kapitel. 


forschung  mit  der  militärischen  Erschließung  Hand  in  Hand  ging  und 
Freundschaftsverträgo  mit  den  Stammeshäuptlingen  abgeschlossen  wurden.  So 
kam  es,  daß  die  auf  diese  Weise  gewonnenen  Einflußsphären  der  einzelnen 
Nationen  verworrene  Grenzen  bekamen,  und  manche  schwierige  Fragen  zu 
lösen  waren.  In  den  diplomatischen  Verhandlungen  lassen  sich  vier  Phasen 
deutlich  unterscheiden.  In  den  ersten  1888  abgeschlossenen  Verhandlungen 
wurde  die  südöstliche  Grenze  des  Schutzgebietes  gegen  Franz  ö - 
sisch-Dahome    festgestellt,    während    die  Grenzen   nach    der  englischen 


Denkmal  des  Stabsarztes  Dr.  Wolf  in  Lome. 


Interessensphäre  hin  fließende  blieben.  Während  die  Deutschen  1887 
Bismarckburg  gründeten  und  unter  Dr.  Wolf  und  Hauptmann  von  Franyois 
his  nach  Salaga  und  Tsautscho  vordrangen,  wurde  am  7.  Oktober  1886 
Peki  englisch,  ebenso  mehr  oder  weniger  der  ganze  Machtbereich  seines 
Königs  Kwadzo  Dey  bis  nach  Kpando  und  Nkunya  im  Norden,  Avatime 
im  Nordosten,  Ho,  Agotime  und  Adaklu  im  Osten.  Im  englisch- 
deutschen Vertrage  vom  L7.  Juli  1890  wurde  dann  die  südwest- 
liche Grenze  festgelegt.  Der  Keta-Bezirk  und  Peki  und  damit  der 
Unterlauf    des  Volta    blieben    englisch,    Kpando,    Lome    und    die  östlichen 


Die  Erschließung  des  Landes. 


85 


Landschaften  kamen  an  Deutschland,  während  im  Nordwesten  ein  großes 
Gebiet  für  neutral  erklärt  wurde.  Der  Süden  der  Togokolonie  wurde  auf 
diese  Weise  allerdings  ein  geschlossener  deutscher  Besitz,  aber  die  Scheidung 
des  Ewelandes  in  eine  kleine  englische  und  größere  deutsche  Hälfte  brachte 
manche  Unzuträglichkeiten.  Um  den  deutschen  Einfluß  im  Norden  bis  in 
den  Sudan  hinein  zu  erweitern,  wurde  1894  die  deutsche  Togo-Expedition 
unternommen,  die  bis  zum  Niger  vordrang,  den  dann  Herr  von  Carnap 
herabfuhr.  Die  Franzosen  waren  aber  auch  nicht  untätig  gewesen,  so  daß 
bei  Festsetzung  der  nordöstlichen  Grrenze  durch  den  Vertrag  zu 
Paris  von  5.  Juli  1897  nur  ein  Gebiet  bis  nördlich  vom  10.  Breitengrade 
festgehalten    werden    konnte,    wofür   freilich    Deutschland    das    sogenannte 


Regierung-srasthaus  in  Amusnkowe  (zu  S.  86). 


Monodreieck  und  die  Schiffahrtsberechtigung  auf  dem  Mono  erhielt,  während 
die  Mündung  und  die  Küste  zwischen  Kl.  Popo  und  Gr.  Popo  französisch 
blieben.  Im  Nordwesten,  wo  eine  Grenzkommission  von  1901/03  tätig 
war,  Avurden  durch  den  Londoner  Vertrag  vom  25.  Juli  1904  die  Ver- 
hältnisse endgiltig  geregelt.  Der  ungefähre  Flächeninhalt  dieses  Ge- 
bietes beträgt  87  200  qkm. 

Die  Verwaltungstätigkeit  des  Schutzgebietes  wird  ausgeübt 
von  den  Bezirksämtern  Lome-Stadt  und  -Land,  Aneho  und  Misahöhe 
mit  den  Nebenplätzen  Ho  und  Kpando  sowie  den  Regierungsstationen 
in  Atakpame,  Keta-Kratschi,  Sokode,  Yendi  und  Sansana  Mangu.  Von 
diesen  Orten  aus  konnte  mehr  und  mehr  für  die  allgemeine  Sicherheit 
im  Lande    getan    werden,    so    daß    die  Stammesfehden    aufgehört    haben, 


86 


Viertes  Kapitel, 


ebenso  die  üblen  Nachwirkungen  früherer  Kriege  für  den  Verkehr,   sofern 
auch    in  Friedcnszeiten    Gheder    eines    Stammes    das  Gebiet    des  Feindes 


^ 

p 


nicht    betreten    durfton.       Die    niedere  Gerichtsbarkeit    hat    man    den 
HäuptHngen  belassen,  Avährend  schwerere  Fälle  den  deutschen  Beamten  und 


Die  Erschließung  des  Landes.  37 

dem  Gericht  in  Lome  unterstehen.  An  diese  Instanzen  hat  jeder  das 
Recht  der  Berufung,  so  daß  trotz  aller  Schwierigkeiten,  wie  sie  durch  die 
andren  Rechtsanschauungen  und  die  Sprache  bedingt  sind,  mehr  Recht  im 
Lande  herrscht  als  früher,  wo  die  Leute  vielfach  der  Willkür  der  Häupt- 
linge und  Priester  preisgegeben  Avaren.  Durch  diese  Rechtspflege  wird 
auch  die  Ausrottung  heidnischer  Unsitten,  wie  z.  B.  Giftmischerei, 
Sklavenraub  augebahnt.  Um  die  Besserung  der  Gesundheits- 
verhältnisse bemühen  sich  die  Regierungsärzte  durch  Bekämpfung  der 
Malaria,  durch  möglichste  Durchführung  des  Impfzwanges  sowie  durch 
eifriges  Studium  der  Viehseuchen ;  auch  der  Lepra  hat  man  einige  Auf- 
merksamkeit zugewendet.  Die  Förderung  der  geistigen  Bildung 
der  Bevölkerung  steht  noch  in  den  Anfängen.  In  den  beiden  Regierungs- 
schulen zu  Sebbe  und  Lome  sucht  man  eingeborene  Unterbeamte  durch 
deutsche  Lehrer  auszubilden.  Den  Missionen  waren  bis  190^  für  ihre 
Schultätigkeit  nur  je  1000  Mk.  bedingungslos  ausgesetzt.  Seit  1905  ist  ein 
Lehrplan  für  den  Unterricht  im  Deutschen  zwischen  der  Regierung  und 
den  Missionen  vereinbart  und  eine  wachsende  Summe  zur  Förderung  der 
deutschen  Sprache  ausgesetzt. 

Die  größte  Mühe  hat  die  Regierung  im  Verein  mit  den  Kaufleuten 
auf  die  Hebung  der  wirtschaftlichen  Verhältnisse  verwendet. 
In  erster  Linie  galt  es  die  Verkehrs-  und  Transport  Verhältnisse 
zu  bessern,  alle  Avichtigeren  Punkte  des  Landes  sind  durch  ein  gutes 
Wegenetz  verbunden,  das  bis  an  die  nördliche  Grenze  den  Gebrauch  des 
Fahrrades  gestattet ;  Brücken  sind  gebaut,  Rasthäuser  errichtet.  Die  Wege- 
last Avm'de  von  den  Eingeborenen  natürlich  anfangs  nicht  immer  angenehm 
empfunden,  bis  auch  ihnen  die  großen  Vorteile  klar  Avurden.  Es  gelang 
immer  mehr  den  Handel,  der  sich  bisher  in  die  Flußtäler  des  Volta  und 
Mono  gezogen  hatte,  nach  Lome  zu  lenken,  zumal  seitdem  dort  1904  die 
Landungsbrücke  (Bild  s,  S.  27)  und  die  Eisenbahn  Lome-Aneho 
fertig  gestellt  war.  Die  Vollendung  der  Inlandstrecke  Lome-Agome-Palime 
steht  für  den  Beginn  des  Jahres  1907  bevor  und  schon  ist  die  Fortsetzung 
bis  über  Atakpame  hinaus  ins  Auge  gefaßt.  Postanstalten  sind  in 
Lome,  Aneho  und  Agome  Pahme  vorhanden  und  ein  schwarzer  Postbote 
bedient  von  letzterem  Orte  aus  Avöchentlich  die  weitere  Umgegend.  Sodann 
ist  man  auf  die  Einführung  neuer  bezw.  auf  rationellere  B  etrei- 
bungalterKulturen  eifrig  bedacht  gewesen.  Nach  A^ergebHchen  Versuchen 
mit  Kaffee,  Tabak  und  Kokospalmen  hat  namentlich  das  Kolonialwirtschaft- 
hche  Komitee  den  Anbau  der  Baumwolle  und  des  Kakao  zu  fördern  gesucht. 
Keben  dem  Plantagenbetrieb,  den  die  Deutsche  Togo-Gesellschaft  einzu- 
führen sucht,  bemüht  man  sich  einen  selbständigen  Bauernstand  zu  fördern 
durch  Sicherung  seines  Landbesitzes  und  Anleitung  zu  rationellem  Anbau 
in  einer  BaumwoUenschule  soAvie  durch  Anleitung  auf  den  Regierungs- 
stationen. 

Alle  diese  Bestrebungen  der  Regierung  Averden  dadurch  wesentlich 
gefördert,  daß  verschiedene  Beamte  wie  z.B.  der  derzeitige  verdienst- 
volle Gouverneur  Graf  Zech,  Dr.  Grüner  in  Misahöhe  und  der  Führer  der 
kleinen  Polizeitruppe,  Hauptmann  v.  Döhring,  schon  lange  im  Lande  sind 
und  mit  Hingabe  an  der  Förderung  der  Bevölkerung  arbeiten.     ErfreuHch 


gg  Viertes  Kapitel. 

ist  auch,  daß  die  Zahl  der  verheu-ateten  Beamten  zunimmt.  In  dem 
Gouvernementsrat  ist  ein  Organ  geschaffen  zur  gemeinsamen  Beratung 
der  für  die  Hebung  des  Schutzgebietes  verantwortlichen  Faktoren, 
Kolonisation,  Handel  und  Mission.  Möge  ihnen  in  Togo  immer  melir  ein 
friedliches  Zusammenwirken  beschieden  sein  zur  Vermeidung  einer  gefähr- 
lichen Afterkultur  und  zur  Verwirklichung  eines  gesunden  Fortschrittes 
auf  dem  Wege  wirtschaftlicher  Hebung,  geistiger  Bildung  und  christlich- 
religiöser  Erziehung ! 


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